Author - Johanna Braun

Toleranz ist gefährlich

Jedes Jahr am 16. November ist „Tag der Toleranz“. Und jedes Jahr verstehe ich wieder nicht, wie ein ursprünglich gut gemeinter Gedanke so standhaft einem so falschen Konzept aufsitzen kann.

Vor drei Jahren habe ich erklärt, warum Toleranz nicht das ist, wohin unsere Gesellschaft sich bewegen sollte. Ich habe erklärt, warum Toleranz die falsche Utopie ist. Toleranz impliziert eine Norm von der abgewichen werden kann: Eine Gruppe, die die Norm erfüllt, eine, die sie nicht erfüllt. Dadurch entsteht ein Mächteverhältnis. Die Einen tolerieren, die Anderen werden toleriert. Toleranz geht damit nicht weit genug. Nicht alle Menschen sind dabei gleichwertig. Akzeptanz und gegenseitiger Respekt für alle müssen das Ziel sein.

Inzwischen hat sich die Welt weitergedreht. Inzwischen ist mancherorts, so scheint es zumindest, nicht einmal mehr Toleranz das Ziel. Immer wieder werden Stimmen laut, man müsse diejenigen, die sogar die Toleranz vergessen haben, einfangen, zu ihnen zurück zu gehen und sie abzuholen. Ich bleibe felsenfest stehen wo ich vor drei Jahren schon stand: Toleranz ist die falsche Utopie. Sie ist sogar gefährlich. Das zeigt sich auch daran, wie derzeit immer fester an ihr gerüttelt wird. Vielleicht hat uns diese falsche Utopie der Toleranz sogar mit dorthin geführt, wo wir heute sind.

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Jeder Tag muss #Frauenkampftag sein

Heute ist mal wieder Internationaler Frauentag. Jedes Jahr an diesem Tag – und auch am equal pay day – bekennen sich gefühlt fast alle zu Gleichberechtigung. Jedes Jahr fühle ich mich schlicht verarscht.

Denn jeden Tag werden statt junger Frauen junge Männer eingestellt, weil die fast nie nicht schwanger werden. Frauen wird weniger Geld zu bezahlt als Männern, auch wenn sie die gleiche oder gleichwertige Arbeit machen. Jeden Tag werden Vorstände und Aufsichtsräte nicht zur Hälfte mit Frauen besetzt. Jeden Tag stellt irgendwo ein Mann fest, dass ihm das mit dem Baby zu viel wird und eine junge Frau bleibt alleine mit ihrem Kind zurück. Jeden Tag entscheiden sich Männer, dass ihre eigene Karriere wichtiger ist, als die ihrer Frau oder Freundin, die sich dann aber „ganz freiwillig“ um die Kinder kümmert. Jeden Tag haben Frauen bei der Rente 40 Prozent weniger Geld zur Verfügung, als die Männer ihrer Generation. Jeden Tag reproduzieren Reporter*innen und Moderator*innen in Radio und Fersehen sexistische Geschlechterrollenklischees. Jeden Tag lernen Schulkinder über die großartigen Männer der Geschichte während die Frauen längst vergessen wurden.

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Liebe Carolin Emcke… – Ein Dankesbrief

Es gibt so viele Hassnachrichten. Warum nicht mal einen Dankesbrief schreiben?

 

Liebe Carolin Emcke,

ich wollte Ihnen eigentlich schon vor einem Jahr schreiben. Da habe ich Ihr Buch „Wie wir begehren“ gelesen und ich wollte mich dafür bedanken, dass Sie dieses Buch geschrieben haben und Ihnen mitteilen, wie viel es mir bedeutete. Aber dann konnte ich keine Kontaktdaten finden und so habe ich die Idee verworfen, mit der Vermutung im Hinterkopf, dass Sie, weil Sie so großartige Arbeit machen, wahrscheinlich so oft positives Feedback bekommen, dass meine Nachricht gar nicht aufgefallen und ohnehin nichts Neues für Sie wäre.

Heute habe ich in dem Interview, das Sie dem Deutschlandradio auf der Frankfurter Buchmesse gegeben haben, gehört, dass Sie seitdem „Gegen den Hass“ erschienen ist, viel Hasspost erreicht. Wenn hasserfüllte Menschen das können, irgendwo einen Brief hinschicken und der erreicht Sie, dann kann ich das auch und wenn hasserfüllte Menschen das machen, ihren Hass hemmungslos gegen Sie richten, dann möchte ich das Gegenteil tun und wenn ich damit nur eine von vielen bin, die – besonders in den vergangen Tagen und Wochen – einmal mehr Ihre Arbeit lobt, dann ist das ein gutes Zeichen. Eines dafür, dass wir viele sind, die dem Hass etwas entgegen setzen wollen. mehr lesen

Besonders schutzbedürftige Geflüchtete in Berlin: Ein Interview mit Claudia da Silva

Es ist ein herrlicher Frühlingstag in Berlin und ich radle zum Marie-Schlei-Haus. Dort treffe ich mich mit Claudia da Silva, der Leiterin des „AWO Refugiums für besonders schutzbedürftige Geflüchtete“. Ich werde vom Vogelgezwitscher und den blühenden Blumen des kleinen Gartens empfangen. Noch viel mehr aber schaffen die Bewohner*innen sowie die Mitarbeiter*innen des Hauses eine Atmosphäre, in der sie mich derart herzlich aufnehmen, dass ich mich am Ende nur schweren Herzens verabschieden werden kann. Bei Kaffee und Erdbeeren, erzählt mir Claudia da Silva, die eben noch mit den Kindern des Hauses neue Blumen gepflanzt hat, vom Schicksal der Bewohner*innen, vom kleinen Glück im Alltag und vom täglichen Kampf mit der Bürokratie.

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Freundinnen und Freunde und Sternchen? Gendern nervt. Nicht.

Mein erstes Mal

Meine erste Begegnung mit Feminismus fand als kleines Kind in der Kirche statt. Meine katholischen Eltern haben mich jeden Sonntag dorthin, nunja, gezerrt. „Unsere“ Kirche war in den 90er Jahren eine der fortschrittlichsten der Stadt. Es gab dort keinen Kirchenchor sondern eine Kirchenband und eine sehr engagierte Frau, die vielleicht Pfarrerin geworden wäre, wenn das für Frauen in der katholischen Kirche möglich wäre. Sie wurde Religionslehrerin und engagiert sich bis heute in der Gemeinde. Diese und einige weitere Frauen bescherten mir die erste linguistisch-feministische Begegnung meines Lebens: Sie führten ein, dass die Gläubigen konsequent mit „Liebe Brüder und Schwestern“, mit „Ministrantinnen und Ministranten“ und „Sternsingerinnen und Sternsinger“ angesprochen wurden.

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Feminismus? Sexismus? Toleranz? – Unsere Lieblingsvideos

Debatten über Gleichstellung haben Hochkonjunktur! Gleichstellung von Männern und Frauen, von Homosexuellen, Bisexuellen und Heterosexuellen, von Cisgender und Transgendermenschen. Laurie Penny tourt durch Deutschland, die Irinnen und Iren öffnen per Referendum die Ehe und in zahlreichen Städten (es sollten noch viel, viel mehr werden) tauchen kunterbunte CSD Paraden die Straßen in Regenbogenfarben.

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