To Russia with Love

Gestern hat sie gestartet, die größte Fußball-Party der Welt. Doch dürfen auch wirklich alle mitfeiern? Die Fußball Weltmeisterschaft der Männer in Russland hat die Frage der Menschenrechte im Kontext von Sport-Großereignissen einmal mehr auf die Tagesordnung gebracht.

In Putins Russland sind nicht alle gern gesehene Gäste, das zeigte sich schon bei den Olympischen Winterspielen in Sotchi vor vier Jahren. Die teuersten Olympischen Winterspiele aller Zeiten sollten vor allem das Regime im sportlichen Glanz erstrahlen lassen. Aber nicht nur die Enthüllungen rund um das russische Staatsdoping brachten dem Mega-Event einen fahlen Beigeschmack ein. Auch Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*- und Inter*-Menschen (LSBTI*) gehören nicht zur heilen Sportwelt, wie Russland sie gern inszeniert.

Seit 2010 gab und gibt es im Kontext unterschiedlicher Sport-Großveranstaltungen sog. Pride Houses, also Orte von und für LSBTI* Sportler*innen und Fans. Sie sind Anlaufstellen für Austausch und Aufklärung, aber eben auch ein sichtbarer Ort für die Vielfalt im Sport. In Sotchi wurde die Anfrage, ein solches Pride House anbieten zu können, explizit abgelehnt. Ähnlich verhält es sich auch jetzt, denn mittlerweile ist das Pride House auch bei großen Fußball-Turnieren (übrigens Männer und Frauen) zu einem festen Anlaufpunkt geworden. Nur nicht in Russland. Auch bei der Männer-Fußball-WM wird es kein Pride House geben. Die homophobe Gesetzgebung und das homophobe politische und gesellschaftliche Klima in Russland verhindern es.

Und leider ist auch die Unterstützung des Weltfußballverbandes FIFA noch arg ausbaufähig. Politisch möchte man dem Gastgeber nicht auf die Füße treten. Dabei geht es nicht um politische Bekenntnisse, es geht um universelle Menschenrechte.

Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) und die Vereinigung der schwul-lesbischen Fußballfanclubs, Queer Football Fanclubs (QFF), machten mit einer Demo-Aktion vor den russischen Vertretungen in Berlin, Bonn, Frankfurt, Leipzig und München auf die schwierige Menschenrechtssituation in Russland aufmerksam und hatten neben ihrer Botschaft #ToRussiaWithLove auch noch einen Aufruf an die deutsche Politik und den Deutschen Fußball Bund (DFB) dabei:

Deutsche Politik und Fußballverband sollten die Chance nutzen, um auch mit Menschenrechtsorganisationen und der Russian LGBT Sport Federation ins Gespräch zu kommen. Denn trotz massiver Repressionen gegen LSBTI* in Russland gibt es auch eine aktive Sportszene. Neben der Thematisierung von Sicherheit und Akzeptanz für LSBTI* in Russland, bieten LSBTI*-Sportgruppen einen geschützten Raum. Fußball wird in Russland als Männersport wahrgenommen. Frauenfußball ist überhaupt erst seit 1989 erlaubt und fristet eher ein Nischendasein. Diese Nische kann aber auch ein Schutzraum sein, in dem lesbische Frauen keine klassischen Geschlechterrollen erfüllen müssen und einigermaßen offen zu ihrem Lesbisch-Sein stehen können – wenn auch nur in der enge einer Sporthalle oder eines abgeschiedenen Bolzplatzes.

Bunt ist aufm Platz

Auch wenn Verbände und Politik sich oftmals schwer tun damit, die Frage der Menschenrechte im Kontext von Sport-Großveranstaltungen offensiv anzusprechen, die These des angeblich „unpolitischen Sports“ bleibt immer seltener unwidersprochen. Sport und Politik pflegen schon immer ein enges Verhältnis. Sport hat eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe und Rolle, aber eben auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Daran muss immer wieder erinnert werden. Dazu kommt eine schöne Idee fürs Spielfeld von der LGBTI-Intergroup im europäischen Parlament. Die Europapolitiker*innen um die GRÜNEN Europaabgeordnete Terry Reintke und ihren italienischen Co-Vorsitzenden Daniele Viotti verschicken Schnürsenkel in Regenbogenfarben an alle europäischen Teams. Diese sollen die Spieler dann bei der WM tragen und für Vielfalt und Akzeptanz im Sport werben. Unter #supportallcolours können auch Fans sich der Aktion anschließen und ein buntes Zeichen in die Social Media Welt senden. Als Vorbild kann den Kickern die schwedische Nationalspielerin in den Diensten des VfL Wolfsburg dienen. Nilla Fischer trägt als Kapitänin eine Regenbogen-Kapitän*innenbinde. Der Sport kann mehr Mut zur Farbe gut vertragen!

Ein Paar Worte über...

Josefine Paul
Josefine Paul

Landtagsabgeordnete NRW: Frauen- und Queerpolitik, sowie Sportpolitik; Engagiert gegen Rechts und für Vielfalt und Toleranz; Studierte Historikerin; Ex-Fußballerin und Sportfan #VflBochum #TurbinePotsdam.

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