Zeit für eine neue Lesbenbewegung

Lesben* sind in Europa noch immer eine wenig sichtbare Minderheit – auch innerhalb der LSBTI*-Community. Dabei ist der Beitrag lesbischer Aktivist*innen, Politiker*innen und Wissenschaftler*innen für eine sozialere und emanzipatorischere Gesellschaft nicht zu leugnen. So sind Lesben von Beginn an Teil der Frauenbewegung gewesen und sie waren auch immer ein Teil der LSBTI*-Bewegung. Und trotzdem mangelt es lesbischen Frauen und ihren Beiträgen zu politischen und sozialen Veränderungen nach wie vor an Sichtbarkeit.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines erstarkenden Rechtspopulismus in ganz Europa, ist es Zeit für eine neue Lesbenbewegung! Ein erster Schritt dazu wurde am ersten Oktoberwochenende in Wien gemacht. Etwa 450 Lesben* aus ganz Europa trafen sich in Wien zur 1. European Lesbian* Conference (EL*C). Zentrales Thema der Konferenz war die Frage der Sichtbarkeit lesbischer Frauen bzw. die Marginalisierung lesbischer Anliegen. Es ist vor allem der Dreiklang aus mangelnden wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Situation lesbischer Frauen in Europa und weltweit, mangelnder Finanzierung lesbischer Projekte und mangelnder Repräsentation lesbischer Interessen, der die Marginalisierung von Lesben* nach wie vor manifestiert.

Lesben* aus unterschiedlichsten Ländern und Kontexten, seien es Aktivist*innen, Politiker*innen, Wissenschaftler*innen oder Künsterler*innen, kamen in Wien zusammen, um Netzwerke zu knüpfen und zu stärken, aber auch, um politische Forderungen zu entwickeln und so eine Grundlage für eine neue europäische Lesbenbewegung zu legen. Die Herausforderungen eines in ganz Europa zu spürenden Roll-Backs, brauchen eine europäische Antwort und eine europäische lesbische Solidarität.

Lesbisches Gedenken ist Teil unserer Geschichte

Die Notwendigkeit, für lesbische Anliegen zu streiten zeigt sich auch innerhalb der eigenen Community. Die aktuelle Debatte um den Umgang mit der Verfolgung lesbischer Frauen im Nationalsozialismus zeigt, auch die Anerkennung lesbischer Verfolgung und lesbischer Emanzipation ist sowohl außerhalb, als auch innerhalb der LSBTI*-Community keine Selbstverständlichkeit. Lesbische Frauen fielen nicht unter den §175 StGB, das ändert aber nichts daran, dass auch sie wegen ihrer sexuellen Identität verfolgt und diskriminiert wurden. In der Nazizeit wurden sie als „Politische“ und „Asoziale“ in KZs verschleppt, gefoltert und ermordet. Den lesbischen Frauen und Mädchen, die Opfer des Naziregimes wurden nun auch offiziell im KZ Ravensbrück zu gedenken, ist längst überfällig. Überwinden sollten wir allerdings die  Debatte darüber, ob Schwule und Lesben in gleicher Weise in der Nazizeit gelitten haben. Diese „Hierarchisierung“ von erlittenem Leid und Unrecht wird den Betroffenen nicht gerecht.

Wir sind die genderwahnsinnige Lesbenlobby

Die Marginalisierung lesbischer Lebensweisen, lesbischer Geschichte und lesbischer Interessen war und ist auch ein Ausdruck eines in der Gesellschaft tief verwurzelten Sexismus. Homophobie und Sexismus sind zwei Seiten der selben Medaille. In Zeiten, in denen Genderwahn und Homolobby zu Kampfbegriffen rechter und rechtspopulistischer Parteien und Gruppen avancieren ist es umso wichtiger, gemeinsam für die Errungenschaften einer emanzipatorischen Gesellschaft einzustehen und sie gemeinsam weiter voranzutreiben.

Ein Paar Worte über...

Josefine Paul
Josefine Paul

Landtagsabgeordnete NRW: Frauen- und Queerpolitik, sowie Sportpolitik; Engagiert gegen Rechts und für Vielfalt und Toleranz; Studierte Historikerin; Ex-Fußballerin und Sportfan #VflBochum #TurbinePotsdam.

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