Archiv - November 2017

“Ich hoffe auf die Politik”

Die Ärztin Kristina Hänel steht am 24.11.2017 vor dem Amtgericht Gießen. Katrin Schleenbecker sprach für Grün ist Lila mit ihr:

KS: “Am 24.11. startet ihre Gerichtsverhandlung. Mögen Sie kurz darstellen, warum Sie angeklagt wurden? ”

KH: “Ich bin wegen meiner Homepage angeklagt. Auf meiner Website ermögliche ich es Interessierten über einen Link Informationen über einen legalen Schwangerschaftsabbruch zu erhalten. Diese Informationen werden von den Abtreibungsgegnern als Werbung interpretiert. Werbung wird im anachronistischen Paragraf 219a unter Strafe gestellt.”

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Toleranz ist gefährlich

Jedes Jahr am 16. November ist „Tag der Toleranz“. Und jedes Jahr verstehe ich wieder nicht, wie ein ursprünglich gut gemeinter Gedanke so standhaft einem so falschen Konzept aufsitzen kann.

Vor drei Jahren habe ich erklärt, warum Toleranz nicht das ist, wohin unsere Gesellschaft sich bewegen sollte. Ich habe erklärt, warum Toleranz die falsche Utopie ist. Toleranz impliziert eine Norm von der abgewichen werden kann: Eine Gruppe, die die Norm erfüllt, eine, die sie nicht erfüllt. Dadurch entsteht ein Mächteverhältnis. Die Einen tolerieren, die Anderen werden toleriert. Toleranz geht damit nicht weit genug. Nicht alle Menschen sind dabei gleichwertig. Akzeptanz und gegenseitiger Respekt für alle müssen das Ziel sein.

Inzwischen hat sich die Welt weitergedreht. Inzwischen ist mancherorts, so scheint es zumindest, nicht einmal mehr Toleranz das Ziel. Immer wieder werden Stimmen laut, man müsse diejenigen, die sogar die Toleranz vergessen haben, einfangen, zu ihnen zurück zu gehen und sie abzuholen. Ich bleibe felsenfest stehen wo ich vor drei Jahren schon stand: Toleranz ist die falsche Utopie. Sie ist sogar gefährlich. Das zeigt sich auch daran, wie derzeit immer fester an ihr gerüttelt wird. Vielleicht hat uns diese falsche Utopie der Toleranz sogar mit dorthin geführt, wo wir heute sind.

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Zeit für eine neue Lesbenbewegung

Lesben* sind in Europa noch immer eine wenig sichtbare Minderheit – auch innerhalb der LSBTI*-Community. Dabei ist der Beitrag lesbischer Aktivist*innen, Politiker*innen und Wissenschaftler*innen für eine sozialere und emanzipatorischere Gesellschaft nicht zu leugnen. So sind Lesben von Beginn an Teil der Frauenbewegung gewesen und sie waren auch immer ein Teil der LSBTI*-Bewegung. Und trotzdem mangelt es lesbischen Frauen und ihren Beiträgen zu politischen und sozialen Veränderungen nach wie vor an Sichtbarkeit.

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