Alle Jahre wieder: Fundis den Marsch blasen – Sexuelle Selbstbestimmung verteidigen

Sie kämpfen gegen „Gender-Ideologie“ und „Homo-Ehen“. Schwangerschaftsabbrüche sind für sie „Mord“. Am 16. September findet in Berlin wieder der „Marsch für das Leben“ statt. Die Zahl der Teilnehmenden wird immer größer. Sie behaupten „Ja zu jedem Kind“ zu sagen. Eigentlich sagen sie aber „Nein“. Sie sagen „Nein“ zu dem Recht, selbst über den eigenen Körper und das eigene Leben bestimmen zu können – immer, auch in der Schwangerschaft.

“In dieser Gesellschaft haben immer noch nicht alle verstanden, dass unsere Bäuche nur uns gehören.”, schreibt Rhea Niggemann

 

Egal, ob die Schwangerschaft gewollt ist, es Komplikationen bei der Verhütung gab oder sie gar die Folge einer Vergewaltigung ist. Abbrüche lehnen sie ab. Unterstützung erfährt diese radikale Position nicht nur durch Kirchenvertreter*innen, orthodoxe Christ*innen oder AfD-Promis wie Beatrix von Storch. Auch Unions-Abgeordnete aus Bund und Ländern geben dem Marsch ihren Segen.

Das zeigt: Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung ist in dieser Gesellschaft kein Konsens! Von Einschränkungen und Diskriminierung betroffen sind vor allem Frauen*.

Ein Schwangerschaftsabbruch ist in Deutschland eine Straftat. Straffrei ist er nur in den ersten drei Monaten, mit vorhergehender Zwangsberatung und der Einhaltung einer darauf folgenden 72-Stunden-Frist. Ab der 13. Woche darf eine Schwangerschaft nur noch straffrei abgebrochen werden, wenn medizinische Gründe vorliegen. Wer abbricht, ist also mit dem Strafrecht konfrontiert. Genauso wie Beratungsstellen und Ärzt*innen, die dabei unterstützen.

Auch Einschränkungen beim Zugang zu Verhütungsmitteln oder der „Pille danach“ – die bekommt man nämlich immer noch nicht so leicht wie Smarties – und die Tatsache, dass Ärzt*innen und Krankenhäuser sich weigern können, Abbrüche durchzuführen, schränken Frauen* in ihrer Selbstbestimmung ein.

In Berlin ging die Zahl der Ärzt*innen, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen, in den letzten Jahren deutlich zurück. Im Ostteil der Stadt galt noch bis 1990 die Fristenregelung. DDR-Bürger*innen konnten innerhalb der ersten 12 Wochen autonom über den Fortgang einer Schwangerschaft entscheiden. Abbrüche durchzuführen war für Ärzt*innen in der DDR eine Selbstverständlichkeit. Viele von ihnen sind nun aber im Ruhestand und spätestens seit dem Schwangerschaftskonfliktgesetz von 1995 ist es keine Selbstverständlichkeit mehr, dass Ärzte*innen und Krankenhäuser auch Abtreibungen durchführen.

Zu den rechtlichen und strukturellen Hürden kommen Vorurteile und Verurteilungen. Militante Abbruchsgegner*innen, die vor Einschüchterungsversuchen und öffentlicher Stimmungsmache nicht zurückschrecken, sind dabei nur die Spitze des Eisberges.

In dieser Gesellschaft haben immer noch nicht alle verstanden, dass unsere Bäuche nur uns gehören. Dass bald voraussichtlich mit der AfD erklärte Antifeminst*innen im Bundestag sitzen werden, verschärft die Situation noch. Ihr erklärtes Ziel ist es, dass „deutsche“ (!) Frauen* wieder mehr Kinder kriegen. Ein Recht auf Abtreibung stört da nur und sei es noch so eingeschränkt. Nicht wenige Unionspolitiker*innen stimmen damit überein.

Sexuelle Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht. Dass wir dieses Recht wirklich wahrnehmen können, müssen wir uns erkämpfen. Zum Beispiel am Samstag. Wir sehen uns auf der Straße!

Ein Paar Worte über...

Rhea Niggemann
Rhea Niggemann

Kämpft für Queerfeminismus, Antifaschismus, Tierrechte und überhaupt
Emanzipation und gleiche Rechte für alle. Vor allem mit und bei den
Grünen aktiv. Frauen- und geschlechterpolitische Sprecherin der
Berliner Grünen.

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