Warum Frauenfußball eine emanzipatorische Erfolgsgeschichte ist – eigentlich

Frauen haben sich ihren Platz auf dem Platz erkämpft. Und das gegen beträchtliche Widerstände. Das hat auch deshalb eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung, weil die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs weit über das rein Sportliche hinausgeht. Sport ist Teilhabe am öffentlichen Leben und diese ist für Frauen leider noch nicht überall auf der Welt eine Selbstverständlichkeit. Insbesondere sogenannte „Männersportarten“ stellen besondere Bastionen des Patriarchats dar. Wenn diese aber durchlässiger für Frauen werden, dann wandeln sich auch gesamtgesellschaftlich Geschlechtervorstellungen – oder werden zumindest durchlässiger.

Frauenfußball ist eine emanzipatorische Erfolgsgeschichte – eigentlich

Fußball ist aber auch für viele Frauen immer schon mehr gewesen als ein Sport. Fußball war und ist eine Nische für unterschiedliche Weiblichkeiten. Nicht nur, dass frau sich hier dreckig machen darf und mal zur Grätsche ansetzen kann, auch unterschiedliche sexuelle Identitäten prägen den Frauenfußball. War Fußball früher noch als „Lesbensportart“ verschrien, outen sich viele Spieler*innen heute selbstbewusst. Nicht zuletzt, um jungen Mädchen und Frauen ein Vorbild zu sein. Trotzdem tun die Verbände sich weiterhin schwer mit einer ernsthaften Diversity-Politik. Während Bekenntnisse gegen Rassismus heute quasi zur Spielvorbereitung gehören, kommen die Worte Sexismus und Homophobie nur selten über die Lippen von Vereins- und Verbandsoffiziellen. Es gibt ein zaghaftes Bemühen, zweifellos, aber die Chance, Frauenfußball auch als Emanzipation von Frauen, Lesben und unterschiedlichen Weiblichkeiten zu feiern, wurde auch bei  der Europameisterschaft 2017 einmal mehr verpasst.

Equal Play = Equal Pay?

Für die Europameisterschaft hat der europäische Fußballverband (UEFA) in Sachen Prämien noch einmal tiefer in die Tasche gegriffen. Insgesamt ging es bei der EM um acht Millionen, immerhin fast das vierfache von den 2,2 Millionen Euro Preisgeldern, die noch bei der EM in Schweden vor vier Jahren verteilt wurden. Doch beim Vergleich mit den Summen, die bei der Männer -Europameisterschaft im letzten Jahr in Frankreich verteilt wurden, ist das gerade einmal die Auflaufprämie, die jeder teilnehmende Verband erhielt. Allein für die Teilnahme kassierten die 24 Teams acht Millionen Startgeld. Insgesamt wurden bei der Männer-EM 301 Million Euro Preisgelder verteilt.

Ein englischer Club machte kürzlich mit der Nachricht auf sich aufmerksam, dass er den Männer- und Frauenteams die gleichen Ressourcen zur Verfügung stellen würde. Der Lewes FC verpflichtet sich, die gleichen Trainingsbedingungen, aber vor allem auch die gleiche Teamfinanzierung und Bezahlung für seine weiblichen und männlichen Kicker*innen zu gewährleisten und machte gleich noch eine Kampagne namens Equality FC daraus. Überraschenderweise wollte sich bislang kein anderer professioneller oder semiprofessioneller Club der Initiative anschließen. Es ist ja auch nur schwer vorstellbar, dass Paris St. Germain, immerhin eine Topadresse im Frauen- und Männerfußball, 222 Millionen Euro für eine der herausragenden Akteur*innen der Frauen-Europameisterschaft  locker gemacht hätte. Das dies auch nicht wünschenswert ist, steht dabei auf einem anderen Blatt. Fest steht, der finanzielle Aufwand, der für den Männerfußball betrieben wird, hat mittlerweile absurde Dimensionen angenommen. Der Fußball täte gut daran, auf ein finanzielles Niveau zurückzukehren, dass nicht so manchen Staatshaushalt übersteigt – inklusive einer Debatte über Equal Pay im Sport und besonders im Fußball.

Zumindest in der öffentlichen Sportförderung ist es an der Zeit, die Ausgaben nach den Kriterien des Gender Budgeting zu analysieren, denn Frauen und Mädchen gehört auch die Hälfte des Platzes! Doch bislang haben die männlich dominierten Sportverbände genauso wenig Interesse daran, wie die männlich dominierte Sportpolitik.

Ein Paar Worte über...

Josefine Paul
Josefine Paul

Landtagsabgeordnete NRW: Frauen- und Queerpolitik, sowie Sportpolitik; Engagiert gegen Rechts und für Vielfalt und Toleranz; Studierte Historikerin; Ex-Fußballerin und Sportfan #VflBochum #TurbinePotsdam.

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