Grüner 10-Punkte-Plan: 11. Feminismus

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Die grünen SpitzenkandidatInnen Katrin Göring-Eckhardt und Cem Özdemir haben gestern den “Zehn-Punkte-Plan für grünes Regieren” vorgestellt. Leider fehlt ein Punkt, den ich hiermit nachreiche: Feminismus. Als Regierungsvorhaben formuliert heißt das: “Geschlechtergerechtigkeit endlich verwirklichen!”

Während wir Grüne uns fragen, ob unsere Themen gerade “der heiße Scheiß” sind, ist es mit dem Feminismus fast schon umgekehrt, viele Aktivistinnen machen sich sorgen, dass feministische Slogans zu sehr vom Mainstream vereinnahmt und kommerzialisiert werden. Was bitte beweist besser, dass ein Thema heiß ist, als dass H&M es auf T-Shirts druckt?! Und welche Partei ist feministischer als die Grünen, die sich seit ihrer Gründung explizit für frauen*politische Anliegen engagieren?

Wir Grüne haben unserer Wurzeln nicht nur in der frühen Umwelt- und Friedensbewegung, sondern ebenso in der Frauenbewegung. Seit über 30 Jahren gibt es bei uns Grünen das Frauenstatut in der Satzung, es beinhaltet unter anderem eine fixe Quotenregelung für alle Mandate und internen Positionen. Keine Partei hat so viele einflussreiche Politikerinnen hervorgebracht.

Wir sind gegen Vergewaltigungen in der Ehe laut geworden, als die Union einem Ehemann noch ein Recht auf Sex, auch gegen den Willen seiner Frau, zugestanden hat.

Wir haben uns für das Recht von Frauen eingesetzt, frei über den eigenen Körper entscheiden zu können und wir tun das auch heute noch.

Wir haben uns für Kinderbetreuung eingesetzt, als es noch als Hauptaufgabe einer jeden Mutter galt, Vollzeit ihre Kinder zu betreuen. Wir bieten bis heute selbstverständlich bei jeder von uns ausgerichteten Veranstaltung Kinderbetreuung an, um auch Menschen mit Kindern ins politische Geschehen einzubeziehen.

Feministische Themen sind aktueller denn je.

Nach wie vor verdienen Frauen weniger als Männer. Immer noch trifft die Doppelbelastung von Beruf und Familie hauptsächlich Frauen und übermäßig viele Frauen sind im Alter von Armut betroffen.

Nicht nur in den Führungsetagen der DAX-Konzerne, auch in Start-Ups sind Frauen unterrepräsentiert. Nicht einmal vier von zehn Bundestagsabgeordneten sind Frauen.

Wir wissen, dass die aktuelle Quotenregelung nur für wenige Unternehmen gilt und haben Gesetzesentwürfe für Quotenregelungen in den Chefetagen, die Frauen helfen würden endlich wirklich die gläserne Decke zu durchbrechen.

Wir ermutigen Väter, sich mehr Zeit für ihre Familie zu nehmen.

Wir entwickeln die besten Konzepte für die soziale und finanzielle Aufwertung von Care-Arbeit, die immer noch überwiegend von Frauen geleistet wird.

Wir werden nicht müde, auf den Gender-Paygap hinzuweisen und eine gerechte Bezahlung von Frauen einzufordern.

Wir wollen das Ehegattensplitting abschaffen und lieber dafür sorgen, dass Frauen nicht Gefahr laufen, in Altersarmut zu enden.

Wir trauen uns, Sexismus in Medien und der Werbung zu benennen und dagegen anzukämpfen, auch wenn wir dafür noch oft genug als “Spaßbremsen” verhöhnt werden. Aber uns ist wichtiger, dass Frauen nicht als reine Objekte verhöhnt werden.

Wir kämpfen für das Recht von Frauen und Mädchen, anzuziehen, was sie wollen, egal ob Kleid, Kopftuch oder Krawatte.

Wir stellen uns jeder Form von Diskriminierung deutlich entgegen. Gerade auch weil Diskriminierung von Frauen hierzulande noch oft verharmlost wird.

Wir wissen, dass der Kampf gegen Sexismus und Rape Culture essentiell ist, wenn wir als Gesellschaft garantieren wollen, dass gerade Mädchen und Frauen vor sexualisierter Gewalt und Vergewaltigungen geschützt werden.

Wir setzen uns dafür ein, dass jede Frau bei der Geburt von einer Hebamme betreut wird, egal, ob sie im Krankenhaus oder zuhause ihr Baby bekommen will.

Wir setzen uns für die Gleichberechtigung von allen Menschen ein, unabhängig von ihrem Geschlecht. Und wir wissen, dass Geschlecht nicht nur “männlich” oder “weiblich” ist.

Wir fordern nicht nur die Ehe für alle, wir sind auch wirklich dafür und wir wollen, dass Kinder wissen, dass ihre Familien dazu gehören, egal ob sie mit einem Elternteil oder mit dreien aufwachsen, mit einer Mama oder mit zwei.

Wir wissen, dass eine Frau an der Spitze der Regierung noch nicht heißt, dass für Frauen alles erreicht ist.

Für uns gilt nach wie vor: Die Hälfte der Macht den Frauen!

In der Politik, in der Wirtschaft, in der Gesellschaft und Zuhause. Wir sind die feministischste Partei, die mensch in den Bundestag wählen kann. Höchste Zeit also, dass wir das auch den Wählerinnen* kommunizieren! Und den Wählern natürlich auch.

Ein Paar Worte über...

Laura Sophie Dornheim
Laura Sophie Dornheim

Digitale Strategin, promovierte Beraterin, knallharte Feministin, heimliche Politikerin. Todernst. Founder of http://done.consulting. Auf Twitter @schwarzblond

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