Die Pille als Lifestyle-Produkt. Ernsthaft?

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Reine Haut und schöne Haare – was nach einem Versprechen der Werbebranche klingt, dient regelmäßig als Argument für Gynäkolog*innen, hormonelle Verhütung zu verschreiben. Die Mehrheit insbesondere junger Frauen greift auf die Pille zurück. Sie gilt als besonders sicher und einfach zu handhaben, der sogenannte Zyklus (ein richtiger Zyklus findet ja gar nicht mehr statt, sondern wird dem Körper nur noch vorgetäuscht) werde regelmäßiger, die Menstruation weniger stark und eventuelle Schmerzen nähmen ab. Außerdem wird mit der Aussicht auf anwachsende Brüste, weniger Akne und Körperbehaarung gelockt. Was von Pharmaindustrie und Gynäkolog*innen als All-in-one-Lifestyle-Produkt angepriesen wird, dient bei näherer Betrachtung vor allem der Abwertung der Körper von Frauen*. Was einst als Durchbruch zur sexuellen Selbstbestimmung von Frauen* gefeiert wurde, dient heute dem Zwang zur Selbstoptimierung entlang sexistischer Leitbilder sowie der Entfremdung vom eigenen Körper.

Darüber hinaus wird der Körper erheblichen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt, über die Gynökolog*innen selten informieren. Dabei handelt es sich hierbei um eine lange Liste: Thrombose mit bis zu tödlichen Folgen, Schmerzen im Intimbereich, Infektionen, Persönlichkeitsveränderungen, Stimmungsschwankungen, Depressionen, Libidoverlust,… Die Effekte auf Körper, Psyche und Sexualität sind enorm. Und keine Einzelfälle.

Ein Lifestyle-Produkt mit Nebenwirkungen

Im Namen der Selbstoptimierung werden so gesunde Körper ununterbrochen erheblichen Risiken ausgesetzt. Körper von Frauen* werden dabei als von Natur aus mangelhaft begriffen. Dass dies ein geschlechtsspezifisches Problem ist, zeigt sich beim Umgang mit der „Pille für den Mann“, die mit Verweis auf deren Nebenwirkungen nicht zum Markt zugelassen wurde. Die genannten negativen Auswirkungen finden sich so oder ähnlich auch in den Beipackzetteln der verkäuflichen Pille. Da kann so manch eine* nur lachen. Der Umgang mit der „Pille für den Mann“ zeigt, dass Körper von Frauen* gegenüber Körpern von Männern* in unserer Gesellschaft immer noch abgewertet werden.

Wir brauchen keine Wunderpille, die uns Verhütung und Selbstoptimierung in einem verspricht und uns dabei durch künstliche Hormonzufuhr nicht nur enormen Risiken aussetzt, sondern auch von unseren Körpern entfremdet. Was wir brauchen, ist echte Wahlfreiheit durch Aufklärung. Für manche Personen mag die Pille eine gute Möglichkeit darstellen, doch die Entscheidung für ein Verhütungsmittel muss auf Grundlage von ausreichendem Wissen getroffen werden.

Nur echte Wahlreiheit ist feministisch

Oft wird gar nicht über alternative Verhütungsmittel zur Pille informiert. Deswegen gibt es in Berlin beispielsweise das „Feministische Frauen Gesundheitszentrum e.V.“ (FFGZ), das zu Themen wie hormonfreier Verhütung, PMS oder Endometriose berät – allesamt Themen, die sich weitreichender Unbekanntheit erfreuen, viele Personen mit Gebärmutter aber täglich in ihrem Wohlbefinden beeinflussen. Nicht nur über unterschiedliche Verhütungsmöglichkeiten, sondern auch über unsere eigenen Körper aufzuklären ist wichtig, denn nur wer den eigenen Körper kennt, kann auch richtig mit ihm umgehen. Nur wer richtig aufgeklärt ist, hat echte Wahlfreiheit.

Lest hier weiter über die Forderung nach kostenfreien Verhütungsmitteln.

Ein Paar Worte über...

Franziska von Stetten
Franziska von Stetten

Macht sich Gedanken über die Gesellschaft, Gender und das Leben. Stimmt sich dabei optimistisch mit Quallen, Glitzer und empowernden Texten.

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