Verhütung darf kein Luxus sein

via GIPHY

Als ich mit 16 Jahren zu meiner Gynäkologin gegangen bin und nach der Pille verlangt habe, kam ich mir emanzipiert vor. Heute, sieben Jahre später, werde ich mir darüber bewusst, wie wenig ich aufgeklärt wurde über verschiedene Formen von Verhütung und ihren Einfluss auf meinen Körper. Von selbstbestimmtem Handeln kann da keine Rede sein. Der Zugang zu Verhütungsmitteln gilt als feministischer Erfolg, doch viel darüber gesprochen wird nicht. In einer Gesellschaft, in der Menstruationsblut igitt ist und Sex trotz Übersexualisierung im Alltag doch eher Privatsache, scheint kein Raum für Aufklärung. Wir müssen anfangen über die Kosten von Verhütungsmitteln zu reden.

Der einfache Zugang zu Verhütungsmitteln ist Grundbedingung für sexuelle Selbstbestimmung und Gesundheit. Doch Verhütungsmittel kosten Geld. Und weil die Kosten in der Regel selbst getragen werden müssen, können es sich manche Menschen schlichtweg nicht leisten. Verhütung ist ihnen somit nicht zugänglich.

Verhütung als Luxusprodukt

Die weit verbreitete Pille kostet bis zu 22 Euro monatlich, der Ring liegt bei ähnlichen Preisen. Langfristig günstigere Alternativen wie die Hormonspirale (250 bis 400€ Euro), die Kupferspirale (120 bis 300 Euro) oder die Kupferkette (200 bis 350 Euro) sind bei einmaliger Zahlung auch nicht gerade erschwinglich. Doch auch eine 12-er Packung Kondome kostet schon mal 15 Euro. Von latexfreien Kondomen gar nicht erst zu reden.

Wer keine 300 Euro auf einmal zur Verfügung hat – und das dürften viele Personen sein in jungen Jahren – entscheidet sich eher für die Pille oder den Ring, die durch ihre hormonelle Wirkungsweise einen entscheidenden Einfluss auf den Körper haben. Bei der Einnahme der Pille gibt es beispielsweise ein erhöhtes Thromboserisiko. Und wem auch die monatlichen Preise für Pille und Co. zu viel sind, entscheidet sich unter Umständen einfach für Kondome. Im schlimmsten Fall reicht das Geld gar nicht mehr für Verhütung oder nur für eine Variante, die nicht zum eigenen Körper passt. Die günstigere Variante ist nicht immer die schlechtere, doch die fehlende Wahlfreiheit birgt das Risiko, sich für eine unter den gegebenen Umständen unsichere Methode zu entscheiden. Dies kann erstens zu ungewollten Schwangerschaften führen, was je nach Wohnort belastend und bevormundend (Beratungsgespräch und Wartezeit vor Schwangerschaftsabbruch) bis hin zu nahezu ausweglos (keine Verfügbarkeit von Abtreibungskliniken) sein kann. Zweitens bedeutet dies im Falle eines fehlenden Zugangs zu Kondomen auch ein erhöhtes Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten.

Berlin macht’s möglich

Berlin bietet ein Beispiel für eine alternative Handlungsweise seitens des Staates. In der Hauptstadt gibt es das sogenannte Zentrum für sexuelle Gesundheit mit insgesamt fünf Standorten in unterschiedlichen Bezirken. Hier werden Beratungen und Untersuchungen zu Themen wie Familienplanung, Schwangerschaft und sexuell übertragbaren Krankheiten angeboten. Viele Angebote sind kostenlos, alle weiteren sehr günstig. Verhütung ist einer der Schwerpunkte der Zentren. Neben einer breiten Aufklärung werden dort kostenlose Verhütungsmittel angeboten. Vom Kondom über das Diaphragma bis hin zur Spirale kann alles finanziert werden. Die Kostenübernahme ist allerdings an das Einkommen gebunden.

Kostenfreiheit für alle

Dies ist bereits ein guter Anfang, doch langfristig muss es bundesweit kostenfreie Verhütungsmittel für alle geben. Denn die Wahl der Verhütung darf nicht von finanziellen Abwägungen abhängen. Es muss ein Recht auf Verhütung geben.

Ein Paar Worte über...

Franziska von Stetten
Franziska von Stetten

Macht sich Gedanken über die Gesellschaft, Gender und das Leben. Stimmt sich dabei optimistisch mit Quallen, Glitzer und empowernden Texten.

Copyright © 2014 Grün-ist-Lila. Impressum & Datenschutz