Das Imperium schlägt zurück: Eine Hommage

Nach dem Wahlsieg von Donald Trump ist es einmal mehr dunkler geworden. Dunkler im Kampf für gleiche Rechte und eine offene Gesellschaft. Dunkler für uns alle, die wir dachten, dass wir doch eigentlich auf einem guten Weg sind (auch wenn es uns viel zu langsam geht). Der Backlash hat am 9. November noch mal an Durchschlagkraft gewonnen. Trump und seine Armee der alten weißen Männer steht bereit das Patriachat zu verteidigen. Aber: Wir werden uns nicht unterkriegen lassen. Wir werden nicht in eine Schockstarre verfallen. Denn eins haben uns die polnischen Frauen dieses Jahr gezeigt: Es lohnt sich zu kämpfen! Deshalb gerade jetzt eine Hommage an die Polnischen Frauen:

Polen, 3. Oktober 2016. In hunderten Städten und Dörfern in einem erzkatholischen, von einer rechtskonservativen Partei regierten Land gehen hunderttausende Frauen auf die Straße. Weil sie es satt haben, weil sie etwas ändern wollen, weil sie Angst haben. Angst, dass ihnen ihr grundlegendstes Recht – ihr Recht auf Leben – weggenommen werden soll. Der Schwarze Montag hat etwas verändert. Hoffentlich kann er Wendepunkt sein in einer besorgniserregenden Entwicklung.

Denn nicht nur in Polen haben Frauen Angst: Rechtspopulistische Parteien, die Frauenrechte einschränken und wichtige Schritte zur Gleichberechtigung zurückdrehen wollen. Nationalkonservative Regierungen, die Frauen wieder an den Herd schicken. Fundamentalistische Religionsvertreter*innen, die absolutes Abtreibungsverbot fordern. Europa und auch die USA scheinen sich gerade in Dunkelheit zu hüllen. Und das obwohl es in den letzten Jahren diese großartigen Lichtblicke gab. Die Öffnung der Ehe in Großbritannien, Griechenland und Frankreich. Fortschritte (wenn auch noch zu kleine) bei der Frauenquote. Endlich ein Vorwärts beim Kita-Ausbau. Wir schienen auf einem guten Weg zu sein. Alles nur noch eine Frage der Zeit – mit einer rechten Opposition, die sich im Grunde nur noch in Abwehrkämpfen verzettelt.

Und jetzt ist er wieder da. Der Diskurs um die wichtigste Rolle der Frau: Gesunde, weiße Kinder zu gebären. Eigentlich hatten wir doch gedacht, dass dieser Scheiß jetzt endlich mal durch ist. Die hirnverbrannte Vorstellung in der Frauen zu Inkubatoren völkischer Großmachtphantasien degradiert werden. Aber nein: Eine kleine, aber laute Minderheit hat die Volkshygiene wieder für sich entdeckt.

Ein Höhepunkt dieses Narrativs war der in Polen debattierte Gesetzesentwurf, der Abtreibung auch dann verboten hätte, wenn die Frau bei der Geburt gestorben wäre. Zur Not muss man Frauen eben opfern für diese neue Bevölkerungspolitik.

Gleichzeitig versuchen sich die Rechten in Europa, zwanghaft als Vorkämpfer von Frauenrechten zu produzieren. Mit leicht zu durchschauenden Scheinforderungen: Um “unsere Frauen” vor den “Ausländern” zu schützen, wollen die Rechten mehr abschieben, allerdings keinesfalls das Sexualstrafrecht verschärfen. Nazis wollen die Burka verbieten, aber natürlich nichts für alleinerziehende Frauen tun. Frauen sollen keinen Zugang mehr zu reproduktiver Medizin haben, aber dafür ab dem fünften Kind wieder ein eisernes Mutterkreuz bekommen.

Doch der 3. Oktober zeigt ganz klar: Wir werden uns nicht geschlagen geben. Auch wenn wir diesen Kampf schon hundertmal geführt haben, wir werden ihn wieder führen. Die Protestbewegung der mutigen polnischen Frauen ist zum Symbol des Widerstands europa- und weltweit geworden: Gegen einen Backlash, der nicht nur unsere Rechte, sondern unsere Freiheit, unsere Würde und unser Leben angreift.

Wir werden keine wohlerzogenen, stumm lächelnden Frauen sein, die sich ihrem Schicksal ergeben. Wir gehen auf die Straße. Wir streiten in den Parlamenten und Vorstandsetagen. Wir werden konsequent, lautstark und beherzt für unsere Rechte, unsere Würde und unsere Freiheit kämpfen. Gerade jetzt.

Ein Paar Worte über...

Terry Reintke
Terry Reintke

Europabegeisterte Queerfeministin, die seit vielen Jahren Grüne Politik macht. Seit 2014 auch im Europäischen Parlament. Gelsenkirchen.

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