Vor 25 Jahren habe ich abgetrieben

Bericht über einen Schwangerschaftsabbruch

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Es geht auch darum Glück zu schenken, nicht einfach nur Leben, findet unsere anonyme Gastautorin.

 

Ich hatte gerade mein Studium abgebrochen und eine körperbetonte Ausbildung angefangen. Ich wollte endlich auf eigenen Füßen stehen, selber Geld verdienen. Und plötzlich schwanger, das geht ja alles gar nicht zusammen. Mist, dachte ich, du hast einen Fehler gemacht. Bis mein damaliger Freund meinte: Nein, wir! Zwar liebte ich ihn – nicht nur für diese Aussage -, konnte ihn mir aber nicht als Vater vorstellen, da er einfach unzuverlässig war. Ich selbst wusste, dass ich Kinder liebe und selbst mal welche haben wollte – aber nicht jetzt. Schwanger sein fühlte sich damals einfach falsch an.


Der erste Arzt, den ich nach meinem positiven Schwangerschaftstest aufgesucht habe, hatte kein Verständnis für meine Lage. Der Mediziner in einer mittelgroßen katholischen Stadt war sogar so dreist, meinen Termin absichtlich falsch zu berechnen. Er meinte, ich hätte noch viel Zeit für eine Entscheidung und wollte so einen Abbruch verunmöglichen. Sein Verhalten hat mich so wütend gemacht und in meinen Entschluss für einen Schwangerschaftsabbruch damit bestärkt. Ich wusste was für mich das Richtige war. Deshalb ging ich, trotz falscher Berechnung, früh genug zu der von ihm ausgesuchten Ärztin. Sie war sehr verständnisvoll. Vielleicht lag es daran, dass sich ihre Praxis in einer studentischen Stadt befand. Der Eingriff selbst war sehr professionell und auch die Beratung von pro familia vor der Ausschabung war sehr gut.

Ein Kind bekam ich später, mit Mitte Dreißig, zum richtigen Zeitpunkt für mich – als ich wollte und konnte. Das bestärkte mich im Nachhinein auch in meiner Entscheidung abzutreiben. Ich kann für mich nicht ausschließen, dass ich mich aus heutiger Sicht vielleicht anders entschieden hätte, aber ohne den Schwangerschaftsabbruch wäre ich nicht die, die ich jetzt bin. Für mich ist es zu kurz gedacht, wenn bei einer Schwangerschaft immer nur ans “Kind” gedacht wird. Es geht um die Qualität jedes einzelnen Lebens und nicht darum, wie viele Leben vermeintlich gerettet werden. Es geht auch darum Glück zu schenken, nicht einfach nur Leben. Wäre der Plan des ersten Arztes aufgegangen und mir die Möglichkeit eines Abbruchs genommen worden, dann hätte er die Verantwortung für das Leben des Kindes und seiner Eltern übernehmen müssen.

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Es gibt viele individuelle Gründe, sich für einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden. Wir haben Menschen gebeten, ihre Geschichte für uns aufzuschreiben. Hier findet ihr die Geschichte von Theresa Lehmann „Seitdem geht es mir gut“.

Ein Paar Worte über...

Anonym
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