XY ungelöst

Eine kleine Geschichte von der Doppel-X-Homolobby

Sex in dem keine Männer vorkommen, wird ja eher unterschätzt. Dabei haben ziemlich viele Frauen, Sex bei dem kein Mann stört. Also jedenfalls schon mal die geschätzten 10 Prozent der Lesben, die kein Problem mit dem bösen L-Wort haben und dann die, die Frauen lieben, aber es lieber irgendwie anders nennen, ohne das böse Wort. Und die, die finden, dass sie kein Etikett brauchen, dass ihre Persönlichkeit nicht auf ein Wort eingedampft werden kann und dass sie generell nicht nur auf Bettgeschichten reduziert werden wollen.

Alle geschenkt. Nehmt euch was ihr wollt, wie ihr wollt, habt wilden Sex, Routinesex am Samstagvormittag, Blümchensex oder schiebt extravagante Nummern in Hotelzimmern oder im Freibad. Ist mir egal. Aber bitte beharrt darauf, dass der gemeine Mann* weder für die Ausübung, noch für die Kommentierung, Einordnung oder Beratung da besonders von Nöten ist. Damit macht ihr euch zwar unbeliebt, uninteressant und werdet als moralinsauer abgetan, aber dafür ehrlich. Und gefährlich.

Denn Sex ohne Männer ist im Jahre 2016 unerhört. Und auch Männer, die Sex mit Männern haben – landläufig schwul oder homosexuell genannt – halten ja ihre Art zu leben meist für unglaublich einfallsreich, schrill und aufsehenerregend und deshalb für besonders interessant. Und dann springen sie uns wieder an, die Fotos der Christopher Street Paraden: Riesen Frauen* behängt mit Make-up und Lametta als ob es kein Morgen gibt, in schwarzen Chaps mit blankem Arsch, damit Mann ihre bessere Hälfte schneller erfasst als ihr Lächeln, Muskelbepackte, braungebrannte Gays, die Kondome mit der Aufschrift ‘Fickstück’ im Stiefelschaft mit sich herumtragen. Schrill, laut, lebensfroh feiern sie ihren Körper und den der anderen, ihr Leben, aufregender, als das der anderen und ihren Lebensstil des Glamours, der freien Liebe ohne Tabus und der ewig währenden Ejakulation.

Lesbisch lieben – Die Alternative für Frauen

Ich möchte an dieser Stelle natürlich nicht von Vergänglichkeit an sich und dem Sinn des Lebens im Besonderen  schwadronieren. Aber diese Männer haben sich in den letzten Jahren ja für ziemlich alles interessiert, aber nicht für Solidarität, Empathie oder bedenkliche politischen Entwicklungen. Und natürlich auch nicht für Frauen*. Diese Frauen* (nennen wir sie wieder Lesben*) aber sind es, die schlecht mit männlichem Dominanzgehabe klar kommen im richtigen Leben wie auch in der Community und die wahrscheinlich auch gar nicht damit klar kommen wollen. Diese Lesben* wissen auch, dass der wie ein Monstranz vorangetragene Geschlechtsakt mancher Männer, sie selber als Menschen, gerne mal marginalisiert oder sogar ignoriert.

Doch damit haben die Herren die Rechnung ohne die Natur gemacht. In den letzten Jahren nämlich versetzten die Lesben die Schwulen in basses Erstaunen, auf das sie im Biologieunterricht nicht vorbereitet waren. Erinnerten sie sich doch gerade noch, dass die meisten Männer Träger des XY Chromosom sind  – und somit für viele Frauen*, egal welcher Orientierung’ – irgendwie ungelöste Fälle. Doch dann die Erkenntnis, dass die Trägerinnen des XX Chromosomen, körperlich dazu in der Lage sind, ohne Sex Kinder zu zeugen. Und Lesben damit auch. Ein kleines Becherchen Sperma machte es möglich, sich den Neid des Schwulen zuzuziehen. Die erstaunten Männer begriffen erst jetzt, zu welchen ungeheuerlichen Vorgängen der weibliche Körper in der Lage ist. Und zu allem Ärger muss der Samen noch nicht mal homosexuell sein. In dieser Kombi ist lesbisches Leben einfach ein Skandal.

Sex ohne Männer und Zeugung ohne Sex

Aber anstatt, dass die Herrschaften jetzt vor Ehrfurcht in die Knie gehen, ist ihnen diese Selbstbestimmung und autonome Fortpflanzungsverhalten der Damen bzw. ihrer Gebärmütter ja eher suspekt. Insgeheim klagen sie über die Privilegierung der bisher von Ihnen gerne übersehenen anderen Hälfte der sogenannten Community. Die Lesben indes zeigen ihnen die lange Nase: Sex von Zeugung zu entkoppeln macht ja irgendwie frei, von den Männern und von den Schwulen. Und das ist das wunderbar Anarchische dabei. Und wenn dann ALLE mal begreifen wollten, dass es weder um Konkurrenz noch um Gleichheit, sondern um Akzeptanz auch innerhalb der Communities geht, dann sprechen wir mal wieder von gemeinsamen Zielen.

Aber solange mal ich mir Schilder wie: ich hab heute ganz schlimm Feminismus und pflege meine Schutzräume, habe Sex, wie ihn sich manche Schwule nicht vorstellen können oder wollen und gehe beim Dykemarch mit. Und grüßt mir derweil das Patriarchat!

 

 

 

 

 

 

 

Ein Paar Worte über...

Frau_Holofernes
Frau_Holofernes

Genderverrückte Leichtmatrosin und Wessibesserin, Spionin in der MännerWG. Hauptberuflich grün, nebenberuflich Rabenmutter. Still loving feminism!

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