Was hat der Hobbit in Idaho zu suchen?

Vielen Menschen ist mittlerweile klar, was Homofeindlichkeit ist und dass etwa „schwul“ ein inakzeptables, homofeindliches Schimpfwort ist. Was es aber mit Bi- und Transfeindlichkeit auf sich hat bzw. wie die spezifische Diskriminierungssituation von bi- und transsexuellen Menschen aussieht, ist vielen nicht bewusst. Was am 17. Mai 2004 als Tag gegen Homophobie startete, ist seit letztem Jahr zum Internationalen Tag gegen Homophobie, Biphobie und Transphobie (kurz IDAHOBIT) geworden.

Ungleich diskriminiert

Die Anliegen von BTTIQ (Bisexuellen, Transsexuellen, Transgender, Intersexuellen, Queeren) werden oft von lesbischen und besonders von schwulen Anliegen überschattet. Hier sind Solidarität innerhalb und außerhalb der queeren Community gefragt und dazu gehört auch eine Reflektion der eigenen Privilegien. Die strukturelle Diskriminierung betrifft LSBTTIQ nicht gleich. Und auch Intersektionalität darf nicht vergessen werden: So hat ein weißer, gesunder, finanziell abgesicherter Schwuler gegenüber einer bisexuellen schwarzen Trans*frau, die seit längerer Zeit arbeitssuchend ist, eine deutlich bessere Ausgangsposition. Strukturell betrachtet hat er es oft wesentlich leichter als sie. Er hat mehr Ressourcen, mehr Sichtbarkeit und für seine Anliegen existieren gute Strukturen.

Es ist daher auch kein Zufall, dass für Ehe für alle und Adoptionsrecht so prominent gekämpft wird, dass mensch meinen könnte bei LSBTTIQ-Anliegen gehe es nur darum. Dabei gibt es selbst bei der Adoption Unterschiede, wenn es um die Sichtbarkeit von Problemen geht. Über die Probleme bei der Anerkennung der zweiten Mutter in verpartnerten Frauen*beziehungen wird kaum gesprochen.

Und auch wenn alles für LSBTTIQ rechtlich gut geregelt sein sollte, ergibt sich daraus noch keine Garantie für echte gesellschaftliche Akzeptanz. So haben viele Eltern in Regenbogenfamilien leider nicht ohne Grund Angst, dass ihre Kinder Ausgrenzung und Anfeindung erleben können. LSBTTIQ-Feindlichkeit lässt sich leider nicht gesetzlich abschaffen.

Die Hetero-Normalität

Die Sichtbarkeit von LSBTTIQ innerhalb des Mainstreams ist extrem ungleich verteilt. So ist auch wenig verwunderlich, wenn Mainstream-Kultur queere Geschichte umschreibt und den Anteil von Lesben, Bisexuellen, Transgender, Transsexuellen und Intersexuellen unsichtbar macht. Genauso wie es leider trauriger Alltag ist, dass es etwa in Film, Fernsehen und Literatur wesentlich weniger lesbische als schwule Charaktere gibt und bisexuelle Menschen noch weniger vorkommen. Trans*charaktere sind sehr sehr selten, Asexualität spielt so gut wie nie eine Rolle. In den meisten Darstellungen sind wir auch immer noch bei der Problemgeschichte: Menschen sind nicht einfach nur nicht-hetero oder nicht-cis. Es geht meist um die daraus resultierenden „Probleme“ wie Coming-Out. Alltag und Normalität sind somit immer noch Cis– und Hetero-Menschen vorbehalten. Positive Rolemodels, Held*innen und Hauptcharaktere, mit denen sich die Zuschauer*innen bzw. Leser*innen identifizieren sollen und deren Geschichten als erzählenswert betrachtet werden, sind ebenfalls hetero und cis (und meistens natürlich männlich, weiß und kerngesund).

Besorgniserregende Menschen

Warum ist das überhaupt wichtig? Was ist daran bitte politisch, mögen sich einige fragen. Da wäre etwa der gesellschaftliche Roll-Back: „Besorgniserregende Eltern“ marschieren durch Städte, damit ihre Kinder auch ja nicht in der Schule etwas über sexuelle Vielfalt erfahren und nachher bitte nicht liberaler als ihre Eltern werden. In Fernsehen und Zeitungen wird sich über Unisextoiletten lustig gemacht, was für nicht-cis-Menschen überhaupt nicht lustig ist. Und die AfD agitiert gegen die „schrille Minderheit“, denn in ihrem verkorksten Demokratieverständnis zählt nur die vermeintliche Mehrheit; Minderheiten haben gefälligst unsichtbar zu sein, bzw. dürfen ignoriert und unterdrückt werden.

Dass ein Comin-Out überflüssig wird

Egal ob AfD-Sympathisant*in oder nicht, wenn die Empathie fehlt, dann sind Menschen für ein „warum muss sich mein Alltag so viel ändern für so wenige Menschen“ eher empfänglich. Repräsentation, sei es in Film, Fernsehen oder in der Literatur, im Schulunterricht oder einfach im Alltag ist wichtig, um Empathie zu fördern, denn dann werden LSBTTIQ als Individuen sichtbar und miese Stereotype und Vorurteile passen nicht mit Individuen zusammen.

Alle Menschen jenseits der cis-hetero-Pärchen-Realität sollen nicht nur so Leben können, wie sie wollen. Sie sollten sich weder erklären, noch rechtfertigen müssen. Die rechtliche Gleichstellung ist nur ein Teil der Lösung, so lange „Coming-Out“ immer noch ein Thema ist. Rechtliche Gleichstellung gibt es auch zwischen Frauen* und Männern*, was aber nichts daran ändert, dass es immer noch viele Ungerechtigkeiten gibt. Und wie im Feminismus gilt bei Homofeindlichkeit, Bifeindlichkeit, Intersexismus und Transfeindlichkeit eben kein „emanzipiert sind wir selber“, sondern ein gemeinsames und solidarisches Miteinander, bis wir tatsächlich nicht mehr darüber reden müssen und ein 17. Mai halt nur ein weiterer Tag im Mai sein wird.

Bis dahin ist es aber nicht egal, ob es IDAHO oder IDAHOBIT heißt.

Ein Paar Worte über...

Friederike Schwebler
Friederike Schwebler

Angry #Feminist; #Atheist; bi & für mehr #Bivisibility; neurodivergent; BewegtBild-Nerd; beruflich #SocialMedia-Erklärtante vom Dienst, im Netz oft unter @frikasch zu finden

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