Lieber Winfried Kretschmann…

… nicht resignieren, kapieren! Einige grüne Männer haben es bereits verstanden.

 

#Frauenquote #Doppelspitze

Felixs Rede zum Nachlesen:

Liebe Freundinnen und insbesondere auch liebe Freunde,

ich bitte Euch, diesen Antrag abzulehnen. Seine Begründung beruht auf einer Reihe falscher Annahmen, und zwar sowohl auf inhaltlicher als auch auf systematischer Ebene.

Zuerst zum Inhaltlichen. Wenn der Antrag als Satzungsänderungsantrag nicht sowieso schon eine Zweidrittel-Mehrheit bräuchte, würde ich beantragen, ihn als Rückholantrag zu dem zeitpolitischen Beschluss zu behandeln, den wir hier gestern gefasst haben. In der Begründung wird unser Kampf gegen die Diskriminierung von Frauen als historisches Phänomen der fernen 80er dargestellt, das aus der Zeit gefallen ist, weil wir inzwischen in der goldenen Zukunft des „zweiten Jahrzehnts des dritten Jahrtausends“ angekommen sind.

Das hört sich nach Science Fiction an, es ist aber leider nur Fiction, ohne Science. Denn was die Wissenschaft zur fortdauernden strukturellen Diskriminierung von Frauen zu sagen hat, konnten wir gestern sehr eindrücklich von Jutta Allmendinger hören. Sie hat uns noch mal ein paar empirische Fakten vor Augen geführt, zum Beispiel den immer wieder schockierenden Pay Gap von 23 Prozent, aber vor allem hat sie uns daran erinnert, dass es dabei nicht in erster Linie um individuelles Fehlverhalten geht, sondern um institutionalisierte Strukturen, die auch auf der institutionellen Ebene angegangen werden müssen. Die Begründung dieses Antrags klingt so, als könnten wir Grüne uns aus dem gesellschaftlichen Kontext herausnehmen, als hätten wir ein feministisches Biotop geschaffen, in dem das alles keine Rolle spielt.

Nein, liebe Freundinnen und Freunde, Geschlechterrollen und Diskriminierung von Frauen sind ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das uns alle hier im Saal ganz genauso betrifft wie die da draußen. Auch wir wurden im Patriarchat sozialisiert, auch wir leben in den gesellschaftlichen Strukturen, zu deren Reform wir gestern unseren zeitpolitischen Beschluss gefasst haben. Und nebenbei – es geht ja in dem Antrag auch um Redezeitregelungen – wer ernsthaft meint, wir hätten bei den Grünen seit den 80ern das Problem überwunden, dass man immer nur Männer reden hört, den lade ich herzlich ein, mal eine Sitzung der BAG Frieden & Internationales zu besuchen.

Der Gedanke einer Männerquote geht aber auch auf systematischer Ebene in die Irre. Jede Quotierung ist ein Eingriff in die Wahlfreiheit. Einen Eingriff in ein so hohes Gut kann man nur mit einem ebenso hohen Gut begründen, dessen Schutz es dagegen abzuwägen gilt. Im Fall der Frauenquote ist das der Schutz vor der strukturellen Diskriminierung von Frauen. Aber eine strukturelle Diskriminierung von Männern, mit der man eine Männerquote rechtfertigen könnte, gibt es nicht. Die Begründung des Antrags konstruiert eine solche Diskriminierung, indem sie behauptet, dass unsere eigenen Regelungen Männer „deutlich schlechter stellen“.

Liebe Freundinnen und Freunde, das ist schlichtweg falsch. Es ist nicht nur rein empirisch falsch – wieviele Frauen haben gestern für die offenen Plätze im Parteirat kandidiert? Es ist auch ein Denkfehler – wenn ausnahmsweise mal mehr als zur Hälfte Frauen gewählt werden – ich wünschte, das würde öfter mal vorkommen – dann doch nicht, weil die Hälfte der Plätze für Frauen reserviert war, sondern weil die Wählenden die Auswahl an Frauen überzeugender fanden als die Auswahl an Männern. Und dann gibt es überhaupt keinen Grund, sie zu zwingen, die Männer zu wählen. Hier wird eine falsche Symmetrie konstruiert, und es wäre angesichts der ganz realen Asymmetrien, mit denen wir uns gestern beschäftigt haben, ein fatales Signal, wenn wir dem folgen würden.

Liebe Freundinnen und Freunde, wir leben hier im zweiten Jahrzehnt des dritten Jahrtausends leider immer noch im Patriarchat, die Raumschiffe werden nach wie vor ganz überwiegend von Männern kommandiert, wir haben noch einen weiten Weg vor uns, das zu überwinden, und wenn wir irgendwann in der goldenen Zukunft ankommen, die der Antrag verheißt, dann werden wir nicht eine Männerquote einführen, sondern die Frauenquote abschaffen, und dann werden wir nur noch Menschen wählen. Vielen Dank!

 

Ein Paar Worte über...

Team Gruen ist lila
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