Alter! Is 2016! Das kann doch nicht?

Lea war vergangenen Samstag (16.04.2016) auf der Solidemo in Brüssel mit dabei und schreibt über ihre Eindrücke.

Polen. Schon bisher weit davon entfernt zu den Ländern zu zählen, in denen Frauen tatsächlich frei über ihren Körper entscheiden dürfen. Schon bisher eines der Länder, in denen die Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch durch schreckliche Stigmatisierungen begleitet werden. Frauen dürfen nur unter drei Bedingungen legal abtreiben: Gefahr für die Gesundheit und das Leben der Frau, Missbildungen und unheilbare Krankheiten des Fötus oder bei Vergewaltigung oder Inzest. Die grundsätzliche Möglichkeit, innerhalb der ersten drei Monate einen legalen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu können, wie es in Deutschland gemäß des Paragrafen 218 möglich ist, gibt es nicht.

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Die Kirche. 1993 hatte die polnische Regierung die restriktiven Regelungen auf den Weg gebracht, um sich so die Unterstützung der Kirche zu sichern. Und auch mehr als zwei Jahrzehnte später ist auf die polnische Kirche Verlass: Alles doch noch viel zu liberal! Also nimmt die Bischofskonferenz den „Tag der Heiligkeit des Lebens“ zum Anlass, um ein totales Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen zu fordern. Die Regierungschefin hat dem nichts hinzuzufügen, bedankt sich recht herzlich, befürwortet ein totales Verbot und fordert bis zu fünf Jahre Haft für die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen.

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Schwangerschaftsabbrüche. Laut des staatlichen Gesundheitsfonds in Polen wurden 2014 genau 1.812 Schwangerschaftsabbrüche registriert. NGOs schätzen, dass pro Jahr ca. 100.000 Polinnen illegal abtreiben. Das kann sich leisten, wer viel Geld hat und polnischen Ärzt*innen horrende Summen zahlen kann. Oder Frau muss in die Slowakei oder Tschechien rüber machen. Wir schreiben das Jahr 2016?

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Der Kleiderbügel. Der Kleiderbügel ist zum Symbol der Proteste in Polen geworden. Reichlich plastisch macht er die brutalen Abtreibungsmethoden früher Zeiten deutlich. Die Frage richtet sich an die Regierungschefin, an den PiS-Vorsitzende Kaczynski und an die Bürger*innen Initiative, die ein vollständiges Verbot fordert: Sollen wir es hiermit machen.

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Solidarität. Von Brüssel über London bis Malta. In vielen Städten haben die Frauen und Männer ihre Solidarität bekundet.

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An der polnischen Botschaft in Brüssel wurde folgendes Schild statt der polnischen Fahne gehisst: Keep your laws out of my vag!!!

Dem bleibt nichts mehr hinzuzufügen.

Ein Paar Worte über...

Lea
Lea

lebt im wundertollen Brüssel, liebt bunt und Glitzer und wünscht sich viel mehr europäisch-feministischen Remmy Demmy.

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