Fuck off, „Gender-Symposium“!

Seit mittlerweile fast zwei Jahren müssen wir uns in Stuttgart mit der „Demo für Alle“ herumplagen. In unregelmäßigen Abständen trifft sich hier eine gefährliche Mischung aus Homo-, Bi-, und Trans*phoben, Antifeminist*innen, evangelikalen Fundamentalist*innen und Rechtspopulist*innen. Von einem lächerlich kleinen Haufen haben sie sich im Laufe der Zeit zu einer Kundgebung mit zuletzt fast 5.000 Teilnehmenden gewandelt. Gleich geblieben sind ihre kruden, patriarchalischen Ansichten zu Familien- und Frauen*politik.

Von ihrem französischen Vorbild haben sie dabei nicht nur den Namen übernommen („Manif pour tous“), sondern stellen auch mehr und mehr die Kundgebung als Spaß für die ganze Familie in den Vordergrund. Die gute traditionelle Familie aus Vater, Mutter und Kind(ern) macht am Sonntag einen gemeinsamen Ausflug, um sich dafür einzusetzen, dass die Kinder nicht etwa durch Frühsexualisierung oder gar anerzogene Homosexualität verdorben werden. Nicht vergessen darf man dabei natürlich die anderen armen Kinder, die vielleicht keine so engagierten, guten Eltern haben, deshalb ist das einzig wahre traditionelle Familienbild auch das einzige, das im Unterricht vorkommen darf. Mir wird schlecht.

Gefährliche Mischung mit der AfD
Wie gefährlich diese Mischung ist, wird besonders deutlich, wenn man die Initiatorin und Hauptorganisatorinnen in den Blick nimmt. Mit Beatrix von Storch (AfD) und Hedwig von Beverfoerde (CDU) hat sich ein schräges Duo zusammengefunden. Immer wieder hat die CDU in der Vergangenheit betont, dass man niemals mit der AfD zusammenarbeiten würde. Und dann treten dort Vertreter (ohne *) der Jugendorganisationen Junge Union und Junge Alternative einhellig nebeneinander auf. Mit einfachen, plumpen Parolen wie „Schützt unsere Kinder!“ oder „Gender verschwendet Steuergelder!“ wird Stimmung gemacht, gegen alles was auch nur nach Gleichberechtigung oder Selbstbestimmung riecht. Besonders gefährlich ist das aus meiner Sicht, weil solche gemeinsamen Veranstaltungen von zumindest Teilorganisationen von etablierten Parteien und rechten Spinner*innen die Tür aufstoßen zu rechtsextremem Gedankengut. Und damit auch zur Wahl von rechtspopulistischen und -extremen Parteien, wie sich an den Umfragen zur Landtagswahl in Baden-Württemberg nun zeigt.

Die „Demo für Alle“ lädt zum „Gender-Symposium“
Am 28. Februar wollen sie nur zwei Wochen vor der Landtagswahl einen neuen Anlauf starten. Im Vorfeld dazu versuchen die Organisator*innen der „Demo für Alle“ mit einem sogenannten „Symposium: Gender und Sexualpädagogik auf dem Prüfstand der Wissenschaften“ neue Unterstützer*innenkreise aufzubauen. Unter einem pseudowissenschaftlichen Deckmantel wollen sie einen ganzen Tag lang ihre Vorstellungen von der richtigen Familie, Verschwörungstheorien und Fantasien vom deutschen Volkstod „fachlich fundiert und lebendig“ diskutieren. Es soll „tiefgreifende“ Diskussionen geben.

Wenn aber als Annahme vorangestellt wird, dass Gender-Mainstreaming alle Menschen gleich machen will und Sexualpädagogik ausschließlich auf die Frühsexualisierung und die sexuelle Umerziehung von Kindern abziele, dann kann dabei keine „fachlich fundierte“ oder sinnvolle Diskussion herauskommen. Wie man sich so blind und realitätsvergessen seine eigene Wirklichkeit zurechtdichten kann, ist mir wirklich ein Rätsel. Diese Kreuzritter*innen der traditionellen Familie erfinden dabei nicht nur eigene Definitionen für Fachbegriffe. Sie dämonisieren einfach alles, was nicht dem „Goldstandart“ der heterosexuellen Beziehung entspricht. Die völlige Ignoranz gegenüber gesellschaftlichen Realitäten haben sie offenbar tief verinnerlicht. Was bei den Veranstaltungen der „Demo für Alle“ propagiert wird, geht aber noch weit über Ignoranz hinaus: Es ist diskriminierend, verletzend und menschenverachtend!

Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt von Menschen darf weder diskriminiert noch ignoriert werden. Und schon gar nicht sollten wir zulassen, dass Hedwig von Beverfoerde und ihre „Demo für Alle“ ihre menschenverachtenden Theorien in pseudowissenschaftliche Diskurse verpackt! Deshalb ist es wichtig, dass ihnen Kontra gegeben wird! Am 23. Januar ab 9 Uhr werden wir den Anhänger*innen der „Demo für Alle“ zeigen, dass ihre homo-, bi- und transphoben Parolen keinen Platz haben – weder in Stuttgart, noch anderswo! Kommt vorbei und unterstützt die Aktionen des breiten Aktionsbündnisses gegen die „Demo für Alle“.

Ein Paar Worte über...

Leonie Wolf
Leonie Wolf

ist Landessprecherin der GRÜNEN JUGEND Baden-Württemberg und Mathematikstudentin aus Karlsruhe. Besonders mag sie Frauen*- und Arbeitnehmer*innenpolitik, Schlafen und Schokolade.

Ein Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar
  • Die Demo für Alle ist ja genau so fadenscheinig wie die Pro-Life Bewegung in den USA. Zum einen schließt dieses “Alle” ja schon einen Teil der Gesellschaft aus, nämlich alle die nicht in dem propagierten Familienmodell leben, leben wollen oder leben können, zum anderen fehlt jede vernünftige Argumentation.

    Ich frage mich immer noch wo das Standard-Familienmodell bedroht ist. Es stirbt nicht aus und wird vermutlich immer von einem Teil der Gesellschaft vertreten werden. Aber andere Modelle haben die selbe Existenzberechtigung: Gleichberechtigung ist wichtig und es wird nur dann eine Demo für alle sein, wenn genau das beachtung findet.

    Hierbei geht es um eine Demo für einige, die andere nicht dulden wollen. Die Glauben das Mensch sich seine sexuelle Einstellung aussuchen könnte und die ihren Kindern eine eigene Entscheidung nicht zutrauen.

    Ich möchte nicht wissen wie traurig das Leben eines Kindes sein muss, dessen Eltern es nicht akzeptieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyright © 2014 Grün-ist-Lila. Impressum & Datenschutz