Frauen verdienen mehr!

Am vergangenen Freitag brachte Beate Müller-Gemmeke einen Antrag zu Entgeltgleichheit in den Bundestag ein. Warum sie sich in der aktuellen Debatte für ein Gesetz stark macht, hat sie für uns aufgeschrieben.

Manchmal passiert es in der Mittagspause. Dann schwatzt man über dies oder jenes und zufällig kommt die Sprache aufs Gehalt. Erst unlängst passierte das einer jungen Frau aus meinem Wahlkreis, mit der ich mich länger unterhalten habe. Bei dieser Gelegenheit – also in der Mittagspause – fand sie heraus, dass ihr Kollege mehr verdient als sie. Beide hatten fast zeitgleich in einer Werbeagentur als Berater und Beraterin angefangen, sie waren ähnlich alt und hatten vergleichbare Berufserfahrungen. Dennoch verdient sie weniger – weil sie eine Frau ist.

Die gleiche Erfahrung machen nicht wenige Frauen. Einige von ihnen beschweren sich bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes darüber. Eine Geschäftsführerin berichtete, sie bekomme niedrigere Bonuszahlungen als ihr männlicher Kollege, obwohl sie die bessere Leistungsbeurteilung habe. Eine Pastorin der Diakonie beschwerte sich bei der Antidiskriminierungsstelle, dass sie weniger verdiente als ihre pastoralen männlichen Kollegen. Und eine Schlosserin klagte, dass sie nur 11,50 Euro in der Stunde bekomme, die männlichen Kollegen aber 19 Euro. Der Chef leugnete die Diskriminierung noch nicht einmal. Er sagte ihr ins Gesicht: Sie sei nun mal eine Frau, das erkläre doch alles. Nur die wenigsten Frauen klagen gegen diese Art von Entgeltdiskriminierung.

Frauen verdienen weniger

Vollzeitbeschäftigte Frauen – so fand das WSI heraus – verdienen brutto monatlich je nach Beruf zwischen 158 und 1.148 Euro weniger als Männer. Kurzum: schlecht bezahlte Arbeit ist noch immer Frauensache. Aber die Entgeltdiskriminierung ist nicht allein ein Nischenproblem der klassischen „Frauenberufe“. Sie zieht sich quer durch alle Beschäftigungsfelder. Denn auch Frauen mit Hochschulabschluss verdienen 24 Prozent weniger als Männer, Fachhochschulabsolventinnen sogar 28 Prozent.
Das Fazit: Im Jahr 2014 verdienten Frauen im Schnitt 22% weniger als Männer. Bereinigt liegt der Gender Pay Gap noch bei 7%. Das zeigt: Hier werden Frauen schlicht schlechter bezahlt, weil sie Frauen sind.

Der Wert der Arbeit

Allerdings geht es nicht nur darum, dass Arbeit gleich bezahlt wird, es geht auch um „gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit“. Denn frauendominierte Berufe werden deutlich schlechter bezahlt als männerdominierte klassische Industrieberufe. Auf ein Berufsleben gerechnet (40 Jahre) beträgt der Lohnunterschied zwischen einer Erzieherin und einem KFZ-Mechaniker beispielsweise rund 211.000 Euro. Das zeigt auf, dass die Entlohnung nicht dem tatsächlichen Wert der Arbeit entspricht.
Deutlich wurde das unlängst auch beim Tarifkonflikt der Sozial- und Erziehungsberufe. Die Kita-Streiks haben zu Recht eine breite öffentliche Diskussion über den Wert von Arbeit angestoßen. Denn es ging den Streikenden um die längst überfällige Aufwertung ihrer Arbeit.

Entgeltgleichheitsgesetz

Deshalb brauchen wir endlich ein Entgeltgleichheitsgesetz. Die TarifpartnerInnen sollen zukünftig ihre Tarifverträge und die Betriebe ihre nichttarifliche Entgeltstrukturen überprüfen und zwar auf der Grundlage von geschlechtsneutralen Kriterien und mit Hilfe von einem analytischen Arbeitsbewertungsverfahren. Natürlich müssen Entgeltdiskriminierungen dann auch innerhalb einer Frist beseitigt werden. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes soll für Stichproben eine Kontrollbefugnis erhalten. Notwendig sind auch Sanktionen und insbesondere auch ein Verbandsklagerecht. Denn wir brauchen ein wirksames Gesetz – und keinen zahnlosen Tiger.

Es besteht kein Mangel an Fakten und doch existiert in Deutschland bis dato keine umfassende politische Strategie, um den Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit“ durchzusetzen. Aber genau solch eine Strategie ist notwendig, denn Entgeltgleichheit ist keine Verhandlungssache. Und Entgeltdiskriminierung ist auch kein individuelles Problem der Frauen, sondern ein gesellschaftliches Problem. Damit muss endlich Schluss sein. Denn die Arbeit von Frauen darf es nicht länger zum Schnäppchenpreis geben!


 

[UPDATE: 09.11.2015, 12.10h Änderungen im Text vorgenommen]

Ein Paar Worte über...

Beate Müller-Gemmeke
Beate Müller-Gemmeke

Ist Mitglied im Deutschen Bundestag, Sprecherin für ArbeitnehmerInnenrechte der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales. Sie ist außerdem Sprecherin von GewerkschaftsGrün.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyright © 2014 Grün-ist-Lila. Impressum & Datenschutz