Wo sind hier die Lesben: Lesbische (Un)Sichtbarkeit?!?

Die CSD-Saison ist in vollem Gange und wälzt sich auf einen ihrer Höhepunkte zu: den queeren Karneval in Köln. Neben dem derzeit alles beherrschenden Thema der „Ehe für alle“, stehen insbesondere die Themen Vielfalt in der Bildung und Vielfalt als Gesellschaftsmodell im Mittelpunkt. Doch wieviel Vielfalt steckt eigentlich in der LSBTI- oder LSBTIQA-Community? Mal abgesehen davon, dass die meisten Menschen außerhalb der Community nicht viel mit dem „Buchstabensalat“ anfangen können, wie sichtbar sind Lesben, Schwule, Bi, Trans*, Intersexuelle, Queere oder Asexuelle im Rahmen der öffentlichkeitswirksamen CSDs und generell in der Community und ihrer Außenwirkung?

Wieviel L steckt beispielsweise in der Vielfalt und wie sichtbar sind Lesben in der Community und in der öffentlichen Wahrnehmung? Im Zuge der Debatte um die „Ehe für alle“ wird nicht nur immer wieder von der Homo-Ehe gesprochen, sondern auch immer mal wieder von der Schwulen-Ehe. Und in der medialen Begleitung der CSDs sind es vor allem klischeehafte Bilder von schwulen Männern, die den bildlichen Rahmen geben. In den öffentlichen Debatten sind es die wortgewaltigen Schwulen, die das Wort führen. Lesben kommen zumeist nur in Berichten über Regenbogenfamilien vor bzw. auch mal zu Wort. Und das Wort „Lesbe“ meiden die Medien meist ganz. Die Kommunikationswissenschaftlerin Elke Amberg, die die mediale (un)Sichtbarkeit von Lesben untersucht hat stellt fest: „Schwul ist schick, lesbisch immernoch bäh!“

Doch Bange machen gilt nicht! Es gilt selbstbewusst lesbisch deutlich zu machen: Wir sind nicht mitgemeint! Ob im eher beschaulichen Münster, wo Lesben anlässlich des Weltfrauentages laut und sichtbar mitten auf dem Wochenmarkt die Frage stellten: Wo sind denn hier die Lesben?! Oder in Berlin, wo in diesem Jahr bereits der dritte Dyke-March stattfindet. Lesben geben sich nicht mit dem queerpolitischen Katzentisch zufrieden! Und auch in Köln wird es in diesem Jahr einen ersten Lesben-Marsch geben. Es geht dabei nicht um Konkurrenz oder Abschottung, vielmehr zeigen diese Initiativen auf: Wir sind bunt und vielfältig und das zeigen wir auch!

Denn auch queerpolitische oder diversitytheoretische Ansätze dürfen nicht blind machen für teilweise unterschiedliche Lebensrealitäten und Erfahrungen. Eine Politik der Vielfalt muss das Spannungsverhältnis zwischen programmatischer Weiterentwicklung hin zu einer Gesellschaft in Vielfalt und bestehenden Benachteiligungen aushalten und bearbeiten. In einer vielfältigen Community und einer pluralen Gesellschaft muss auch Platz sein für Unterschiede und die Sichtbarkeit aller Gruppen – ohne dabei Vorurteile und Stereotypen zu reproduzieren.

Eine emanzipatorische Gesellschaft basiert auf Selbstbestimmung und der Sichtbarkeit aller ihrer Teile.

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Weiterer Lesehinweis des Redaktionsteams: Über die Unsichtbarkeit Bisexueller

Ein Paar Worte über...

Josefine Paul
Josefine Paul

Landtagsabgeordnete NRW: Frauen- und Queerpolitik, sowie Sportpolitik; Engagiert gegen Rechts und für Vielfalt und Toleranz; Studierte Historikerin; Ex-Fußballerin und Sportfan #VflBochum #TurbinePotsdam.

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