This is a man’s world? Was bringt die G7 den Frauen?

Wenn sich am Wochenende im bayerischen Elmau die Staatschefs der G7 treffen, kommt es am Ende wieder zum Gruppenbild mit Dame. Angela Merkel hat die Stärkung von Frauen und Mädchen auf die Agenda gesetzt. Aber inwieweit die Möchtegern-Weltregierung trotz eigenem Frauenmangel und über schöne Worte hinaus wirklich etwas für mehr Gleichberechtigung verändern will, ist doch sehr fraglich.

Die Regierungschefs der G7-Staaten treffen sich am Wochenende in Elmau, um die drängendsten globalen Probleme zu erörtern. Unter anderem wollen sie die Armut verringern, das Klima retten, die Weltmeere reinigen und die Krisenherde der Erde einhegen. Ein straffes Programm für ein einziges Wochenende. Die Frage ist nur, ob über das Benennen der Herausforderungen hinaus die Bereitschaft besteht, wirklich etwas zu verändern?

Die G7 hinken dem Notwendigen noch an allen Stellen weit hinterher: So auch bei der vollständigen Gleichberechtigung von Frauen. Und das gilt auch für Deutschland, dass von der angeblich mächtigsten Frau der Welt regiert wird.

Dabei ist doch längst klar, dass Gleichberechtigung und eine inklusive Gesellschaft die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in ausreichendem Wohlstand für alle sind. Das gilt gerade in diesem Gipfeljahr, wo es auf dem Weg zum Klimagipfel in Paris darum gehen wird, politische Entscheidungen zu treffen, die den Weg zu einer sozial-ökologischen Transformation bereiten. Phumzile Mlambo-Ngcuka, die Präsidentin von UN WOMEN, bringt es auf den Punkt: “We cannot win with half of the team left outside of the game.”

Frauen zu stärken bedeutet, die Menschheit zu stärken. Dafür gibt es vielfältige Belege: Die UN führt an, dass zum Beispiel Unternehmen mit mehr Frauen im Vorstand höhere Rendite erzielen, Parlamente mit höherem Frauenanteil vielfältigere Themen diskutieren und mehr Gesetze zu Gesundheit, Bildung und Antidiskriminierung verabschieden. “Friedensabkommen, an denen Frauen beteiligt sind, halten länger”, sagt sogar UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. Ein steigendes Bildungsniveau der Frauen führt außerdem zu einem deutlichen Absinken der Kindersterblichkeit.

Doch bislang ist Armut auf der Welt vor allem weiblich.70 Prozent der weltweit 1,4 Milliarden armen Menschen sind Frauen, vor allem aufgrund eingeschränkter Rechte. Der Zugang zu Sekundärbildung ist für sie meist erschwert, ihre rechtliche Stellung ist oft nur als prekär zu bezeichnen und fast überall verdienen sie deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Deswegen ist soziale Ungleichheit auch ein Geschlechterproblem: Sie betrifft vor allem Frauen, die nur zehn Prozent des weltweiten Einkommens besitzen und über lediglich ein Prozent des globalen Zugangs zu Ressourcen, wie Saatgut und Dünger, Land und Krediten.

Aber auch Entwicklung ist weiblich. Die Nichtregierungsorganisation PLAN hat vorgerechnet, dass nur ein Prozent mehr Mädchen, die zur Schule gehen, schon die Wirtschaftsleistung eines Landes um 0,3 Prozent steigert. Laut UNICEF leisten Frauen mit 66 Prozent den größeren Anteil der Arbeit weltweit und produzieren 50 Prozent der Nahrungsmittel.

Strategien, die Armut zu überwinden und den Klimawandel aufzuhalten, müssen also vor allem darauf abzielen, die Rechte von Frauen zu stärken und ihre (Zugangs-)Chancen zu erhöhen. Quoten sind und bleiben ein wichtiges Instrument, wie wir aus Ländern wie Uganda (56 Prozent Frauen im Parlament) oder Indien (Ein Drittel Frauen in den Regionalparlamenten) wissen.

Im Gipfeljahr 2015, das mit dem Gipfel in Elmau nun endgültig eingeleitet wird, sehe ich jedoch noch keinen bahnbrechenden Vorschlag der internationalen Gemeinschaft, wie Frauen und Mädchen weltweit besser gefördert und besser vor alltäglicher Diskriminierung geschützt werden können. Damit droht eine Riesenchance in diesem Gipfeljahr bereits beim G7-Gipfel versenkt zu werden.

 

Weitere Infos:

http://gipfeljahr.gruene-bundestag.de/

http://www.gruene-bundestag.de/fileadmin/media/gruenebundestag_de/fraktion/beschluesse/Beschluss_Gipfeljahr.pdf

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/049/1804937.pdf

Ein Paar Worte über...

Claudia Roth
Claudia Roth

Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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