B wie “ich bin unsichtbar, oder was?”

Flagge der Bisexuellen (oben Pink, in der Mitte schmaler Lila, unten Blau)Heute ist der Internationale Tag gegen Homo- und Transphobie – so steht es in der deutschen Wikipedia. Der gleiche Artikel der englischsprachigen Wikipedia spricht vom International Day Against Homophobia, Transphobia and Biphobia. Dort ist zu lesen, dass nachdem 2009 Transphobie mit aufgenommen wurde, dieses Jahr Biphobie im Titel ergänzt wurde. Während im englischen Sprachraum offenbar Fortschritte gemacht werden, ist Bisexualität hierzulande immernoch ziemlich unsichtbar. Sie findet einfach keine Erwähnung.

Eine mittlerweile nicht mehr ganz so unbekannte Abkürzung lautet LSBT* oder auch LSBTTIQ*. Diese Abkürzung steht für lesbisch, schwul, bisexuell, trans* beziehungsweise transgender, transsexuell, intersexuell und queer. Mit dieser Abkürzung wird so ziemlich alles zusammengefasst, was nicht den Kategorien „heterosexuell“ und „cisgender“ entspricht. Wenn es aber danach ginge, wie stark  die einzelnen Gruppen im öffentlichen Diskurs Erwähnung finden und wahrgenommen werden, dann müsste es wohl eher LSbttiq heißen.

Statt auf Augenhöhe gemeinsam gegen Vorurteile jeglicher Art zu kämpfen, wie das gemeinschaftliche Label LSBTTIQ* verspricht, gibt es innerhalb dieses Labels eine Marginalisierung von Gruppen und Anliegen. Ein Diskurs darüber findet meines Wissens kaum statt. Denn vermeintlich sind „wir“ alle ja „die Guten“ und kämpfen gemeinsam für Gleichstellung und gegen Diskriminierung. Die Ausschlüsse und Vorurteile untereinander werden dadurch nicht thematisiert, beziehungsweise unsichtbar gemacht.

Jenseits dieser Abkürzung sind doch fast immer Schwule und Lesben gemeint, weshalb ich mich oft in LSBTTIQ*-Kontexten als Bisexuelle nicht besonders willkommen fühle. Hinzu kommt, dass sich auch unter Schwulen und Lesben die gängigen Vorurteile gegenüber Bisexuellen und Biphobie halten – dumme Sprüche inklusive.

Verdammt noch mal: Bisexualität existiert wirklich. Bisexuelle Männer sind nicht eigentlich schwul und bisexuelle Frauen nicht eigentlich hetero. Kein Mensch muss sich entscheiden, auf welches Geschlecht sie oder er abfährt.

Ja wir machen es der Welt, die ihre (an dieser Stelle monosexistischen) Schubladen so sehr liebt, nicht gerade einfach: Je nach Beziehung werden Bisexuelle als lesbisch/schwul oder als hetero gelesen. Welcher Schwachsinn passiert, wenn Menschen da auf einmal nicht mehr reinpassen, konnten wir die Tage wieder sehen, als Cate Blanchett (verheiratet mit einem Mann) in einem Interview erwähnte, dass sie mehrere Beziehungen mit Frauen hatte.

Wenn Menschen erst mit Menschen eines solchen und danach mit Menschen eines anderen Geschlechtes „zusammen“ sind, dann bedeutet es nicht, dass sie entweder lesbisch/schwul oder hetero geworden sind. Bisexuelle Menschen haben keine lesbisch/schwule oder heterosexuelle Phase, sie sind bisexuell.

Eigentlich habe ich wenig Bock drauf, mich immer wieder zu outen. Von Heterosexuellen erwartet es keine*r und von Lesben und Schwulen sollte es auch  keine*r erwarten. Wenn ich jedoch mitbekomme, wie unsichtbar wir sind, wie Bisexualität auch 2015 weiterhin als eine „Glaubensfrage“ behandelt wird, dann müssen wir Bisexuelle wohl einfach lauter werden.

In den nächsten Wochen und Monaten wird es wieder viele Pride-Veranstaltungen geben. Zeit auch für uns Bisexuelle, Pride zu zeigen und uns sichtbar zu machen.

 

Ein Paar Worte über...

Friederike Schwebler
Friederike Schwebler

Angry #Feminist; #Atheist; bi & für mehr #Bivisibility; neurodivergent; BewegtBild-Nerd; beruflich #SocialMedia-Erklärtante vom Dienst, im Netz oft unter @frikasch zu finden

Ein Kommentar

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  • Danke fürs Verlinken auf meinen Blogbeitrag über Cate Blanchett. 🙂

    Ich kann die hier aufgeführten Punkte und den Ärger durchaus nachvollziehen. Ich bemühe mich in meinem Blog eigentlich immer, auch auf bisexuelle Frauen Bezug zu nehmen, muss aber zugeben, dass ich insbesondere Lesben anspreche. Ich denke, dass Bisexualität immer dann auch in den Medien präsent ist, wenn es gerade passt. In Fernsehserien, insbesondere Soap Operas, ist das oft so. Da sind viele Figuren, vor allem Frauen, bisexuell, weil man so mehr Optionen für Liebesgeschichten dieser Figuren hat. Das wird allerdings nie wirklich adressiert und die Begrifflichkeiten verschwimmen hier auch sehr oft, so dass diese Repräsentation letztlich weder bisexuellen noch lesbischen Frauen wirklich gerecht wird.

    Ich wünsche viel Erfolg für die Pride-Saison und das Sichtbarmachen. 🙂

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