Geiler Scheiß, den die EU für Feminismus macht

9.Mai: Heute ist Europatag. Zwischen Porto, Sofia und Tallin feiern wir den damals recht revolutionären Plan Schumans von einem vereinten Europa. Oftmals sind diese Festivitäten ganz schön schwerfällig, altbacken und viel zu staatstragend. Dabei steckt da ganz schön Musik drin in dieser Europäischen Union. Hier der Europatag aus feministischer Sicht – wie wir finden: voll der geile Scheiß!

Smarties für alle!

Dass wir seit März die Pille danach in Deutschland auch ohne Rezept bekommen können verdanken wir der Europäischen Union. Gesundheitsminister Gröhe – ein überzeugter Kämpfer gegen die rezeptfreie Ausgabe der Pille danach – musste dann doch kleinbeigeben. Junge Mädchen und Frauen können nun die Pille danach in der Apotheke auch ohne Rezept bekommen.

Gleichberechtigung: überall!

Seit 2000 dürfen Frauen in Deutschland gleichberechtigt in der Bundeswehr dienen. Bis dahin war nur eine Tätigkeit im Sanitäts- und Militärmusikdienst für Frauen erlaubt. Der Europäische Gerichtshof hat damals entschieden, das die Deutsche Gesetzgebung gegen den Grundsatz der Europäischen Union verstößt: „Die Gleichbehandlung von männlichen und weiblichen Arbeitnehmern stellt eines der Ziele der Gemeinschaft dar, soweit es sich insbesondere darum handelt, auf dem Wege des Fortschritts die Angleichung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Arbeitskraft zu fördern.“

Das Gendermainstream Monster hat wieder zu geschlagen!

Beatrix, die mit dem Storch, schläft ganz unruhig, wenn sie an das größte Investitionsprogramm der EU denkt. Die meiste Kohle der Union geht nämlich in die sogenannten Strukturfonds und deren Ausgestaltung ist seit 2014 gegendermainstreamt. Durch alle Programme hindurch muss geprüft werden wie sich die Projekte, deren Ausführung und Ziele, auf die Gleichstellung von Frauen und Männern auswirken. Wir finden: richtig geiler Scheiß!

Chefsessel Europas: Wir kommen!

2011 hat die damalige Kommissarin Vivian Reding einen Gesetzesvorschlag vorlegt, der Europaweite eine Quote von 40 Prozent für die Vorstände börsennotierter Unternehmen in ganz Europa vorsieht. Schrecklich schnell wurde mal wieder das Ende des Abendlands ausgerufen: wo in Göttins Namen sollen denn die ganzen Unternehmen die gut ausgebildeten, fähigen Frauen herbekommen? Die Regierungschef*innen entscheiden sich also die Beinchen still zu halten – nichts tun. Ergo, seit 2012 liegt der Gesetzesvorschlag bei den nationalen Regierungen und es bewegt sich reichlich wenig. Fest steht aber: Allein der Vorschlag hat schon ganz schön für Furore gesorgt. So ist auch das deutsche Gesetzt eine Konsequenz der Androhung einer europäischen Regel Dann doch lieber schnell selbst machen und durch den Geltungsrahmen zum Quötchen verringern (die deutsche Regelung betrifft rund 100 Unternehmen, beim ursprünglichen EU-Vorschlag sind es 2000).

Die Revolution ist großartig, alles andere ist Quark

 

Liebe EU, genau von diesem guten Zeug wollen wir viel mehr! Weiter geht’s also mit dem immer irgendwo noch revolutionären Plan von einem freien, gleichberechtigten und sozialem Europa.

Wir hätten da schon ein paar Ideen:

Gleiche Kohle für gleichwertige Arbeit!

Diese verdammt irre Idee steht schon in den Verträgen von Rom (1957): Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.
Wir wollen nicht warten bis wir alt und grau sind.

Don't be defeatist, dear- It's very middle class.

Schluss mit den Sonntagsreden: Gewalt gegen Frauen mit harten gesetzlichen Regelungen bekämpfen!

Immer wieder werden neue Ausreden gefunden warum es doch die Aufgabe der Mitgliedsstaaten sei gesetzliche Regelungen gegen Gewalt gegen Frauen auf den Weg zu bringen. Voll der Mist, hier fehlt der politische Wille!

Und als krönenden Abschluss: Crush patriachy!

 

Ein Paar Worte über...

Lea Haas und Friederike Schwebler
Lea Haas und Friederike Schwebler

Lea arbeitet für Terry Reintke in Brüssel und wünscht sich noch viel feministischen Remmy Demmy.
Friederike ist Sprecherin für Frauen- und Geschlechterpolitik bei @gruene_berlin und möchte den antifeministischen Roll-Back zurückrollen.

Ein Kommentar

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  • Ich finde es wunderbar, dass ihr den antifeministischen Rollback zurückrollen wollt. Als Alt-Feministin (70er-Jahre-Frauenbewegung) unterstütze ich das voll. Ich würde mich freuen, mehr von euch zu hören.
    Mit lila Grüßen B.Jakob

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