Frauen im Kulturbetrieb – wir brauchen Chancengleichheit

Aktuell ist das Thema „Gleichstellung von Frauen im Filmbereich“ durch die Berichterstattung rund um die ‘Berlinale’ in aller Munde. Aber die Frage ist doch: was bleibt, wenn am 15. Feburar das internationale Filmfestival zu Ende ist? Was wird aus den vollmundigen Lippenbekenntnissen von Minister*innen im Rampenlicht? Und warum redet eigentlich niemand über die Ungleichbehandlung von Frauen in den vielen anderen Kulturbranchen?

Eins ist klar: Kultur lebt von Vielfalt. Und die kulturelle Vielfalt in Deutschland ist wirklich vorzeigbar! Aber kulturelle Vielfalt heißt eben nicht nur die Auswahlmöglichkeit aus einem möglichst breiten kulturellen Angebot verschiedenster Sparten zu haben. Nein, Vielfalt heißt, möglichst viele Perspektiven zuzulassen, verschiedene Blickwinkel zu fördern – zum Beispiel von Altersgruppen, Nationalitäten und Geschlechtern. Gerade weibliche und männliche Perspektiven gleichberechtigt nebeneinander zu stellen, ist keine Selbstverständlichkeit im Kulturbetrieb. Es ist dasselbe wie in den Aufsichtsräten der Wirtschaft: Je höher Gehalt, Ansehen oder Funktion einer Stelle, desto geringer ist der Frauenanteil.

Mangel an weiblichem Nachwuchs gibt es nicht. Das ist kein Grund für diese Schieflage. Im Gegenteil. Trotz einer steigenden Anzahl von Studentinnen in künstlerischen Studiengängen fehlen bis heute Frauen in allen künstlerischen Sparten. Theater und Orchester erweisen sich – zumindest mit Blick auf die Leitungsebene – als absolute Männerdomänen. Daneben steht der Film- und Fernsehproduktionsbereich. Frauen in der Regie sind überraschend schlecht vertreten. Aktuell macht die Initiative „Pro Quote Regie“ deutlich, wie stark die Missverhältnisse sind. So wurden beispielsweise 2013  aus dem Deutschen Filmförderfonds gerade einmal 13 Projekte von Regisseurinnen unterstützt – von insgesamt 115 Projekten. In Euro heißt das: 62 Millionen Euro Fördergelder für Männer – sechs Millionen Euro für Frauen!

Auch die wohl beliebteste deutsche Krimiserie „Tatort“ brachte es 2013 auf gerade einmal drei von 82 Folgen, die unter der Regie einer Frau gedreht wurden.

Fazit: Erwünscht ist, dass möglichst viele Frauen im Kino oder an den Fernsehern sitzen, Theater oder Vernissagen besuchen und konsumieren! Aber wenn sie den Hut aufziehen, mitmischen, entscheiden und Bildern Leben einhauchen wollen, ist dies nicht erwünscht? Das kann so nicht bleiben.

Fakt ist, dass die berufliche Benachteiligung von Frauen erstens ungerecht ist und zweitens den Kulturbetrieben kreatives Potential verloren geht. Trotz dieser offensichtlichen Missstände hat die Bundesregierung bis heute keine Initiative zur Förderung und Verbesserung weiblicher Kulturschaffender ergriffen. Auch wenn Kulturstaatsministerin Monika Grütters jetzt im Zuge der Berlinale vollmundige Töne spukt wie ‘wichtig ihr die Gleichstellung von Frauen (auch) im Kulturbetrieb sei‘, springt sie gerne auf den Erfolgszug der Initiative der Regisseurinnen von „Pro Quote Regie“ mit über 230 Regisseurinnen auf. Wirkliche Stellschrauben drehen – wie im grünen Antrag gefordert – und Förderkriterien so verändern, dass diese sich auf Frauen und Männer gleichermaßen gut auswirken – da macht die Regierung nichts. Lippenbekenntnisse!

Naheliegend zu fragen, ob die Gleichstellung im Kulturbetrieb durch eine Quote erreichbarer würde? Ja, das würde sie. Das wäre bereichernd dazu. Die Kritik*innen stellen das in Frage: „Eine Quote wenn es um Inhalt, Talent und künstlerische Freiheit geht?“ „Qualität setze sich durch“, heißt es dann gerne. Das ist jedoch nicht stichhaltig. Denn künstlerische Produktionen von Frauen leiden nicht an Qualitätsmangel! Sie werden behindert von den Strukturen in einem System, das ihnen Chancen verwehrt. Eine Quote steht der künstlerischen Freiheit daher nicht entgegen. Im Gegenteil: eine Quote ermöglicht Chancen und mehr Blickwinkel und ermöglicht so mehr Freiheit für Kunst.

Bei geschlechtergerechter Kulturförderung geht es nicht um die Frage, ob Frauen oder Männer besser oder schlechter arbeiten. Es geht um gleiche Arbeitsmöglichkeiten und Aufstiegschancen, gerechte Verteilung von Geld und Perspektiven. Wenn wir zulassen, dass der Kulturbetrieb selbstverständlich von Männern dominiert und damit einseitig gefördert wird, bringen wir die Kultur um Chancen der kulturellen Vielfalt und Pluralität. Die Gleichstellung von Frauen im Kulturbetrieb ist ein wesentlicher Schritt, Meinungsbildung durch weibliche Perspektiven zu bereichern und kulturelle Vielfalt zu fördern.

Ein Paar Worte über...

Ulle Schauws
Ulle Schauws

Queere Feministin & Medienwissenschaftlerin. Frauenpolitisch zuhause in NRW, ab 2002 bei den Grünen & jetzt in der Grünen Bundestagsfraktion Sprecherinnen für Frauenpolitik & für Kulturpolitik.

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