So nicht, liebe Julis! Bitte mehr Respekt für die Quote!

Der Vorsitzende der Jungen Liberalen echauffiert sich. Ihn regt das angekündigte 30-Prozent-Quötchen in Aufsichtsräten auf. Er meint: „Die Zeiten, in denen Frauen in Chefetagen als wirtschaftlich schwaches Geschlecht galten, sind längst vorüber.“ Deswegen bräuchte man keine Frauenförderung. Dabei hat selbst die CDU in ihrem erst auf dem Parteitag in Köln veröffentlichen Gleichstellungsbericht zugegeben, dass „ in den deutschen Dax-Unternehmen der Anteil von Frauen in den Vorständen sogar noch gesunken ist – von knapp 8 auf unter 6 Prozent. Frauen in Top-Positionen bleiben also eine Ausnahme.“ 6 Prozent! Eine verschwindende Minderheit und Ausdruck einer enormen Geschlechterungerechtigkeit, die immer noch in unserer Gesellschaft vorherrscht. Aber ein Mann regt sich natürlich über die Quote auf.

Aber nein, er regt sich nicht nur auf und macht eine falsche Zustandsanalyse, sondern setzt die Quote mit Respektlosigkeit gegenüber Frauen gleich. Eine Beleidung für alle Quotenbefürworter*innen. Soviel zum Respekt.

Wenn Männer für Männer Politik machen

Die Julis sind eine Jugendorganisation, die in 25 Jahren 1 Vorsitzende kannte. Geschenkt. Aber das gleiche Bild sieht man in der Jungen Union, ja auch bei den Jusos. Das gleiche Bild sieht man in deren Landesverbände und das gleiche Bild sieht man in deren Mutterparteien, aber auch in Unternehmen. Und aus den meisten dieser Organisationen, Parteien und Unternehmen, die dazu alle einen höheren Männer- als Frauenanteil vorweisen, tönt vehemente Kritik an der Quote. Das Ergebnis, wenn Männer Politik für Männer machen. Deswegen wundert es mich auch nicht, dass ich Quotendiskussionen ausschließlich mit Männern und erfolgreichen Frauen führe.

Die Quote bricht Strukturen auf

Liebe Julis, merkt ihr denn nicht, dass eure so viel genannte Leistungsgerechtigkeit einen Harken hat? Seht ihr nicht, wie Strukturen Frauen davon abhalten, sich zu beteiligen? Merkt ihr denn nicht, dass euer Spruch „Wer will, der kann!“ oder „Bei uns kann jeder alles werden!“ nicht zur Realität passt? Wollt ihr nicht wahrhaben, dass die Chancen für Männer und Frauen in dieser Gesellschaft unterschiedlich sind?

Ihr sprecht von Freiheit und meint damit die Freiheit der Mächtigen. Ihr setzt euch als Privilegierte für eure Privilegien ein. Ihr haltet die strukturelle Ungleichheit aufrecht und meint ihr wäret der Spielplatz für alle. Sprecht doch mal mit Frauen, die sich nicht aktiv einbringen, nach ihren Gründen. Fragt doch mal Frauen, die nicht auf Ämter kandidieren, nach ihren Gründen. Überlasst die Deutungshoheit über Chancen und Möglichkeiten den Betroffenen und gebt diesen eine Stimme.

Der blinde Glaube an Leistungsgerechtigkeit verschärft Geschlechterungerechtigkeit. Respektiert, dass die Quote ein erfolgreiches Mittel gegen diese strukturelle Ungerechtigkeit ist.

Ein Paar Worte über...

Theresa Kalmer
Theresa Kalmer

Ist tagträumend und nachtaktiv. Daneben mag sie Grünes und Buntes. Aber das wichtigste ist und bleibt die Musik.

Ein Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar
  • Hallo zusammen,
    ich wünsche Euch ein gutes Neues Jahr.
    Ich will mit Euch mitschreiben und diskutieren.
    Die Frauenquote ist ein ganz, ganz, ganz dickes Brett und wird uns nicht geschenkt werden. Daneben gibt es aber auch noch ganz viele Dinge wie Kommunikationsstrukturen, die Frauen scheitern lassen. Ich finde auch über die vielen Kleinigkeiten wird viel zu wenig gesprochen.
    Das würde ich gerne ändern mit Euch.
    Wer will mitmachen?
    Gruß
    Sabine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyright © 2014 Grün-ist-Lila. Impressum & Datenschutz