Mit einem Herzchen ins Mark der AfD

Maximilian Bierbaum_Kein Herzchen für die Junge AlternativeVergangenen Dienstag habe ich erfahren, dass ich ein „schmächtiger Schüler“ bin, der im Internet „gerne mit seiner Homosexualität kokettiert“. Der Grund dafür war nicht plötzliche Selbsterkenntnis, sondern ein Facebook-Beitrag der sogenannten Jungen Alternative Hamburg, der mich diffamiert und beleidigt. Die Junge Alternative Hamburg ist der Jugendverband des Hamburger Landesverbands der Alternative für Deutschland (AfD) und somit ein offizieller Teil von ihr. Selten bin ich persönlich so offener Homophobie und so offener Menschenverachtung begegnet.

Aber von vorne:

Im September findet in Hamburg die Junge Islamkonferenz (JIK) statt. Als Grüne Jugend Hamburg haben wir diese Konferenz im Juli unter anderem auf Facebook beworben. Dort beobachten uns die Jungen Alternativen. Aufgrund der Bewerbung der JIK haben sie zum Shitstorm gegen uns aufgerufen. Dass Spam und somit auch der Aufruf zu Spam den Facebook-Richtlinien nach untersagt ist – geschenkt. Dass wir die vor Rassismus und Menschenverachtung triefenden Kommentare auf unserer Facebook-Seite löschen – nicht überraschend. Und dass ich mich darüber auf Twitter lustig mache – ebenfalls keine Überraschung.

Dass dieser Tweet aber einen Monat später zu den oben beschriebenen homophoben Ausfällen der Jungen Alternative Hamburg führt, hat mich dann doch überrascht – nicht aufgrund der Haltung, die dahinter steht, sondern aufgrund der Schamlosigkeit, mit der die Jungen Alternative ihre Haltung transportiert.

Junge Alternative Hamburg Screenshot 2014-08-14 11.56

Zu allem Überfluss habe ich meinen Tweet aber auch noch mit einem Herzchen versehen. Dieses Herzchen scheint die Jungen Alternativen besonders getroffen zu haben, so betonen sie es doch ausdrücklich in ihrem Facebook-Beitrag. Ich kann nur spekulieren, aber vermutlich habe ich sie damit in ihrer Männlichkeit erschüttert. Vermutlich sehen sie mich als eine Art Medusa, der anderen allein durch seinen Anblick seine „Homosexualitäts-Ideologie“ und seinen „Gender-Wahn“ aufzwingt. Davor haben rechte Männer natürlich Angst. Wundern würde mich das nicht. Ganz falsch ist das aber auch nicht. Uns müssen nicht gleich Köpfe nachwachsen, wie es bei Medusa der Fall ist. Wir müssen aber nach jedem Angriff auf unsere Rechte noch mehr für Gleichberechtigung, noch mehr für Feminismus und noch mehr gegen die AfD und ihre Netzwerke streiten.

Im Bundestagswahlkampf 2013 habe ich die These vertreten, dass man der AfD und ihrem Umfeld nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken sollte, um ihr keine Bühne zu bieten. Diese These gilt heute nicht mehr. Die Bühne hat die AfD jetzt schon. Im Europaparlament, in vielen Kommunalvertretungen und möglicherweise bald auch in den ersten Landtagen wird sie fröhlich gegen „Gender-Ideologie“ sowie Political Correctness wettern und an den „Vernunft der Bürger“ appellieren. (Bürger_innen gibt es bei der AfD übrigens nur, wenn sie sich über Gleichberechtigung in der Sprache lustig macht.)

Diese Bühne dürfen wir ihr aber nicht überlassen. Wir müssen sie nutzen, um den in der AfD vorhandenen Menschenhass zu zeigen und über ihn zu sprechen, wo wir die Gelegenheit dazu finden.

Wohin der Weg die AfD und ihre Kreise führen wird? Ich weiß es nicht. Ich kann noch nicht einschätzen, wie sehr sie die Mitte unserer Gesellschaft anspricht. Ich weiß aber, dass wir mit allen politischen Mitteln gegen sie streiten müssen. Und dabei sollte uns jede homophobe Beleidigung, jeder sexistische Kommentar und jeder rassistische Ausdruck nicht bremsen, sondern Ansporn sein.

Ein Paar Worte über...

Maximilian Bierbaum
Maximilian Bierbaum

Sprecher der GRÜNEN JUGEND Hamburg, Student der Soziologie, bloggt unter www.maximilian-bierbaum.de, zwitschert @maximalgedanke

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