Frauen und Fußball

Zwischen Emanzipation und Sexismus

Die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer ist in vollem Gange. Die WM in Brasilien ist nicht nur ein sportliches Großereignis, sie ist auch ein weltumspannendes Medienereignis. Männerfußball ist mittlerweile ein globales Kulturgut. Dabei ist Fußball bis heute eine explizit männliche Kultur. Auch heute verbinden sich mit dem Fußballsport bestimmte Männlichkeitsvorstellungen, die nicht nur Frauen als das „Andere“ markieren und ausgrenzen, sondern auch kaum Platz für andere Männlichkeiten, wie beispielsweise homosexuelle Männer lassen.

Mit Fußball werden bis heute Werte und Fertigkeiten wie Stärke, Durchsetzungsvermögen, Kampfkraft und Ausdauer verbunden – alles Werte, die als „männlich“ gelten. Für Frauen bleibt da meist nur der sportliche Katzentisch. In der jungen Bundesrepublik verbot der Deutsche Fußball Bund (DFB) seinen Mitgliedsvereinen sogar, Frauen im Verein spielen zu lassen oder ihnen auch nur ihre Plätze zur Verfügung zu stellen. In der Lesart der älteren Herren des DFB entsprach Fußball weder den körperlichen Fähigkeiten von Frauen, noch ihrem Wesen. Denn man war sich gesellschaftlich damals einig, dass das Wesen der Frau fürsorglich, weich und zurückhaltend sei.

Bis heute wirken diese Vorstellungen nach. Frauen haben sich ihren Platz auf dem Platz zwar erkämpft und dürfen auch mit dem Segen des mächtigen DFB seit 1970 offiziell dem runden Leder nachjagen, doch von der Aufmerksamkeit der Männer oder gar den ökonomischen Gegebenheiten im Männerfußball sind Frauen auch 2014 noch Lichtjahre entfernt.

Noch immer wird beim Thema Frauenfußball häufiger über das Aussehen der Spielerinnen gesprochen und weniger über ihre sportlichen Leistungen. Bewusst zweideutig zeigte sich der Frauenfußball bei der Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland von „seiner schönsten Seite“. Und das ZDF warb für seine Übertragungen der Europameisterschaft im vergangenen Jahr mit einem Spot, in dem eine Spielerin gekonnt den Ball in eine Waschmaschine schießt. Mehr Klischee geht nicht!

Und auch die Fankultur rund um das runde Leder ist voll von Sexismus. Spielt ein Spieler einen schwachen Pass, ist man(n) sich auf den Rängen schnell einig, dass der betreffende Spieler „wie ein Mädchen“ spielt. Übergangen wird dabei, dass nicht nur die Nationalmannschaft mit acht Europameisterinnen-Titeln und zwei gewonnenen Weltmeisterschaften die Herren mit dem Adler auf der Brust schon lange in den Schatten stellt. 2013 gab es nicht nur einen Triple-Sieger aus Bayern, auch die Frauen des VfL Wolfsburg holten sich alle drei Titel. Und während die Münchner Herren in diesem Jahr auf Europas Fußballkrone verzichten mussten, gelang den Wölfinnen die Titelverteidigung.

Und trotzdem gelten Frauen im Fußball als das „Andere“. Es ist kein Zufall, dass immer von Fußball und Frauenfußball die Rede ist. Der Fußball der Männer gilt als das Original und die Norm. Frauen spielen eben nur das Spiel für Frauen – Frauenfußball.

Nicht zuletzt die öffentliche Diskussion um das Coming Out von Thomas Hitzlsperger hat gezeigt, dass, aller positiven Kommentierungen zum Trotz, die Vorstellung vom wahren Männersport für harte Kerle noch immer prägend ist für den Fußball. Auch Hitzlsperger selbst hat darauf hingewiesen, dass sein Spitzname in England „The Hammer“ war. Wenn schon schwul im Fußball, dann wenigstens ein harter Typ.

Gerade unerträglich aber ist der Sexismus rund um die aktuelle Weltmeisterschaft der Männer. Neben Überraschungseiern auf denen „Weltmeister“ und „Spielerfrau“ zu lesen ist, verstieg sich der Südkurier gar zu einer Bewertung der Frauen und Freundinnen der aktuellen Nationalspieler. Selbstverständlich ging es bei dieser „Bewertung“ rein um Aussehen und Glamour-Faktor der Partnerinnen von Özil, Schweinsteiger und Co. Bei jedem Turnier müssen wir aufs Neue erleben, dass auch die Kommentatoren sich sexistische Bemerkungen über weibliche Fans nicht verkneifen können. Über die „schönen Aussichten“ wird vor allem gerne im Kontext von südamerikanischen Fans gesprochen. Alltagsrassismus gleich inbegriffen.

Und trotzdem, Mädchen und Frauen spielen heute überall auf der Welt Fußball und lassen sich auch nicht mehr von den Plätzen verdrängen. Sepp Blatter sagte einmal in seltener Hellsichtigkeit: Die Zukunft des Fußballs ist weiblich. Für viele Mädchen und Frauen ist Fußball viel mehr als nur ein Spiel. Für sie bedeutet der Sport Freiheit. Freiheit sich selbstbestimmt zu bewegen und sich selbst ihren (Sport-)Raum zu nehmen.

In den Vorstandsetagen der Vereine und Verbände wäre allerdings durchaus noch Platz. Wirkliche Emanzipation im Sport ist erst erreicht, wenn auch Frauen an der Spitze der weltgrößten Verbände, wie FIFA oder IOC stehen. Dann würde Blatters Ausspruch eine Bedeutung bekommen, die er selbst vielleicht mehr fürchten als beklatschen würde. Das wären in vielerlei Hinsicht „schöne Aussichten“.

Ein Paar Worte über...

Josefine Paul
Josefine Paul

Landtagsabgeordnete NRW: Frauen- und Queerpolitik, sowie Sportpolitik; Engagiert gegen Rechts und für Vielfalt und Toleranz; Studierte Historikerin; Ex-Fußballerin und Sportfan #VflBochum #TurbinePotsdam.

4 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar
  • Genau!

    ich gucke auch gerne ,,Männerfußball” und es ist wirklich nervig, wenn meine ,,männlichen” Freunde bei jedem weiblichen Fan mit Ausschnitt rufen ,,Zeig deine Titten”.
    Wie bereits gesagt wurde, einfach nur primitiv!
    Frauen arbeiten genauso hart an ihrer Fußballkariere und bekommen viel weniger Geld, als die Männer in der Bundesliga, sodass sich viele Frauen zusätzlich noch einen Nebenjob suchen müssen. Von Fairness kann hier keine Rede sein.

  • Schóner Artikel! =)

    Du bringst auf den Punkt, was viele Frauen* auf die Palme bringt! Vor allem wáhrend der Mánner-WM. Der Gipfel der dreistigkeit sind diese Scheissaktionen von wegen ‘welche Spielerfrau hat die geilsten Titten’. Menschen auf so primitive weise bewerten zu lassen ist so verschissen respektlos, ich will permanent kotzen!!

    (Sorry fúr die Ausdrucksweise, ging nicht anders)

  • Interessanter Text, aber ein kleines Fehlerchen:
    Hitzelsperger wurde nicht “the hammer” genannt, weil er als harter Typ wahrgenommen wurde, sondern, weil er einen harten Schuss hatte. Zu sehen hier: http://www.youtube.com/watch?v=rn0C4kfHuvg

    Ich würde generell sagen, dass sich dieses Bild von harten Kerlen die gegeneinander spielen in den letzten Jahren in Deutschland gewandelt hat. Durch die weiterentwicklung des Spiels weg von “Holzhackfußball” (in dem das Bild des harten Mannes seinen Platz hatte) hin zu einem immer mehr athletischen Spiel, in dem Fußballer immer mehr zu “künstlern” werden. Spieler wie Kahn, Effenberg, Sammer etc entsprachen dem alten Bild. Spieler wie Götze, Reus und wie sie alle heißen verkörpern den neuen Typ, in dem das Bild des harten Mannes immer weniger zu erkennen ist.

    lg.

  • Hat eigentlich mal jemand ausgerechnet, wieviel die Gebühren- und Steuerzahlerin dieses ganze Spektakel kostet, einschließlich Senderechte, Infrastruktur, volkswirtschaftliche Einkommenseinbußen, Vandalismus, gesundheitlichen Kollateralschäden u.s.w.? Oder sollen sich die Frauen, die in der herrlichen Fußballkultur nur am Rande geduldet werden, dadurch kompensiert fühlen, dass derweilen in den anderen Fernseh-Sendern Konserven und “Frauen”-Filme gezeigt werden, die einem deutlich vor Augen führen, für wie blöd das weibliche Spartenpublikum gehalten wird?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyright © 2014 Grün-ist-Lila. Impressum & Datenschutz