Meist schau ich in die Röhre

RöhrenfernseherWenn mensch sich länger mit Genderfragen und Feminismus beschäftigt, dann wird irgendwann alles völlig automatisch mit dieser Brille betrachtet – auch die vermeintliche Nebensächlichkeiten wie Filme oder Serien. Das heißt dann auch, dass Sexismus und Genderstereotype beim Fernsehen oder im Kino leider echt mächtig nerven.

Bereits Filmposter nerven mit sexistischen Darstellung, wie etwa beim ersten Avengers-Film. Es gibt dämliche Klischees von shoppingsüchtigen Hausfrauen und dummen blonden Highschool-Schülerinnen. Es gibt unendlich Serien und Filme in den Frauen entweder Frau/Freundin-von-XY sind oder aber sich ihr Leben nur darum dreht Den-Einen™ zu finden – dies ist sowohl sexistisch als auch total hetero-normativ. Es gibt Ausnahmen, aber oftmals sind diese weniger bekannt, laufen nicht in der Prime Time der große Sender, sondern nur im Bezahlfernsehen oder auf DVD.

Die Hauptzielgruppe der meisten Bewegtbildproduktionen sind halt immer noch (weiße) Männer zwischen 18 und 49 Jahren und Angebote, die daraus brechen, zielen dann meist auf Zielgruppen, die anscheinend genauso klischeebeladen definiert werden, wie das Produkt, was wir am Ende serviert bekommen.

Neben eklatantem Sexismus und Klischees, gibt es auch das Problem, dass sehr wenige Serien mehr als eine weibliche Hauptrolle haben, wenn sie überhaupt eine relevante Frauenrolle haben. Und das sehr oft dieser eine Frauencharakter dann rein als Mutter, Partnerin oder als Die-Frau™ eingeteilt ist und damit kein echten Charakter ist sondern eigentlich eine Pappkameradin ohne Tiefgang oder eigenständiger Motivation. In solchen Produktionen gibt es dadurch dann auch kaum relevante Gespräche zwischen Frauen, beziehungsweise keine Gespräche über etwas anderes als Männer – siehe Bechdel-Test.

Serien die aus diesem Muster ausbrechen, sind deshalb um so mehr ein Freude. Eigentlich hätte ich hier gerne zehn gute Serien, die mensch sich ohne zu großes feministisches Kopfschütteln anschauen kann, vorgestellt. Es sind leider doch nur acht geworden, da ich zwar weitere Empfehlungen von anderen Frauen bekommen habe, diese aber nicht selbst anschauen konnte. Meine acht Empfehlungen stelle ich hier ohne bestimmte Reihenfolge vor – querbeet durch viele Genres. Ich freue mich ganz besonders, wenn ihr eure guten Fundstücke in den Kommentaren mit uns teilt. Und da sie in meiner Liste fehlen und mir auch kein Beispiel einfätt, sehr gerne auch empfehlenswerte Serien aus Deutschland.


Orphan Black

Sozialisierung vs. Biologie, diese Serie spielt diese Frage mit zahlreichen Facetten durch und beeindruckt nebenbei mit einer sehr talentierten Hauptdarstellerin. Staffel 1 gibt es in Deutschland auf DVD, Staffel 2 endet gerade in Nordamerika und gibt es schon beispielsweise bei iTunes.


The Good Wife
Die Serie startet mit einer aus den Nachrichten bekannten Szene. Ein bekannter Politiker gibt eine Pressekonferenz da er wegen einer Sex-Affäre zurück treten muss. Die Hauptrolle spielt dann aber seine Ehefrau, die versucht ihr Leben und ihre Familie zusammen zu halten. Neben starken und vielfältigen Frauen gibt es ganz viel zu Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Charaktere, deren vermeintlichen Schwächen sie ganz groß machen. Insgesamt gibt es 5 Staffeln, wovon es 3 in Deutschland auf DVD gibt. Der Bezahlsender FOX strahlte Anfang 2014 die 4. Staffel aus.


My Mad Fat Diary
Diese Serie kommt zwar mit zahlreichen Trigger-Warnungen daher. Dafür gibt es einen anspruchsvollen Umgang mit psychisch komplexen Themen wie Depression, Körperbild, Eltern-Kindbeziehung, Selbstverletzung und suizides Verhalten – oder einfach dem alltäglichen Wahnsinns des Erwachsenwerdens (in einer englischen Kleinstadt in den 1990er). Es gibt zwei Staffeln, die bisher leider nur als UK-Import zu haben sind.


Nashville
Eine Serie irgendwo zwischen Drama und Soap von der Drehbuchautorin von Thelma & Louise . Es gibt facettenreiche Frauencharakteren, zahlreiche Generationen- und Familienkonflikte und immer eine Extraportion Musik. Bisher gibt sind zwei Staffeln in den USA gelaufen, die dritte wird es dort im Herbst geben. In Deutschland gibt es sie leider nur beim Pay-Sender FOX oder Staffel 1 auf DVD.


Agents of Shield
Diese Serie ist nicht nur für alle Freund*innen der Marvel-Comic-Welt zu empfehlen. Sie trifft fast immer den Ton und im Gegensatz zu den Kinofilmen mit den Avengers tritt hier ein druchquotiertes Team an um die Welt zuretten. Sie startet etwas langsam, aber spätestens, wenn die Serie die Ereignisse des letzten Captain America Films einarbeitet wird sie richtig gut und die typische Woobification von Bösewichten, die es beispielsweise bei Loki gibt, hatte bisher keine Chance. Auch diese Serie gibt es in Deutschland bisher nur im Bezahl-TV, sie läuft bei RTL Crime von Sky oder aber über Bezahl-Streaming-Dienste.


Masters of Sex
Es ist eine Serie über die Sexforscher*innen William H. Masters and Virginia E. Johnson. Sie spielt in den 1950’er und 1960’er Jahren und im Gegensatz zu den ebenfalls in dieser Zeit spielenden Mad Men zelebriert sie nicht den Sexismus der “guten alten Zeit” sondern zeigt unter anderem die wissenschaftliche Erforschung der weiblichen Sexualität. Bisher gibt es eine Staffel, die zweite wird diesen Sommer in den USA bei Showtime ausgestrahlt. In Deutschland soll die erste Staffel im August auf ZDFneo laufen.


Sleepy Hollow
Eine Serie mit einer absolut absurden Prämisse irgendwo zwischen Mystery- und Cop-Drama, die sich wunderbar eignet mal abzuschalten vom Alltag. Aus feministischer Sicht ist diese Serie, die derzeit einzige us-amerikanische mit einer schwarzen Hauptdarstellerin, die mensch gucken mag – eine klischeearme Polizistin, die weder zu hart noch zu weich ist. Nach einer in den USA begann gerade die Produktion der zweiten Staffel. Von der ersten Staffel strahlte Pro7 im Februar vier Folgen aus. Es soll angeblich einen neuen Sendeplatz geben. Bei Streaming Anbietern wie Amazon Instant Video gibt es die komplette erste Staffel.


Borgen
Eine dänische Ministerpräsidentin zwischen Familie und Beruf. Manchmal werden politische Themen etwas plakativ behandelt aber selbst ein schwieriges Thema wie Prostitution mit meilenweitem Abstand besser als in den meisten Tatort-Folgen behandelt wird. Die Serie besteht aus drei Staffeln, die auf Arte ausgestrahlt wurden und mittlerweile alle auf DVD erhältlich sind.


Honourable Mentions möchte ich nicht vergessen. Serien, die zwar schon länger beendet sind aber Wegbereiterinnen darstellen, durch die die vorgestellten Serien erst möglich wurden: Buffy the Vampire Slayer, Veronica Mars, My so-called life, Alias, Gilmore Girls. Auch hier freue ich mich über eure Ergänzungen.

Ein Paar Worte über...

Friederike Schwebler
Friederike Schwebler

Angry #Feminist; #Atheist; bi & für mehr #Bivisibility; neurodivergent; BewegtBild-Nerd; beruflich #SocialMedia-Erklärtante vom Dienst, im Netz oft unter @frikasch zu finden

3 Kommentare

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  • Vor einigen Tagen habe ich angefangen “My Mad Fat Diary” anzusehen und bin schlichtweg begeistert, vielen Dank für den Tipp!

  • Ein paar Serien mit mehr Women of Colour und/oder queeren Frauen* wären ganz schön gewesen. Ich kann mich 97% der Frauen aus den vorgestellten Sendungen leider nicht identifizieren. ”Orange is the new black” ist z. B. sehr empfehlenswert. Denn: Facettenreiche Frauencharaktere mögen ja schön und gut sein, aber solange mehr als drei Viertel der Darstellerinnen weiß/cis/hetero sind, bleibt ein Großteil aller Frauen unterrepräsentiert.

    • Liebe Sahra,
      danke für deinen Kommentar. Deine Forderung, dass es mehr Serien/Filme/Repräsentation mit Women of Colour und/oder queeren Frauen* geben muss, teile ich sehr. Sie sollten dabei nicht ständig Nebencharaktere, oder als Token-Charaktere vorkommen, oder gar noch kontraproduktiv dämliche Klischees bedienen.
      OitnB gehört zu den Serie-Empfehlungen, die ich auch aus meinem Freundeskreis bekam und die ich auch noch anschauen will und ich freue mich sehr, wenn wir hier in den Kommentaren weitere Empfehlungen sammeln können. Die acht von mir vorgestellten Artikel sind nur ein erster Aufschlag.

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